Teil eines Werkes 
10. Band (1838)
Entstehung
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die Thorheit der Athenienſer und die Geyiſſenloſigkeit des Tyrannen heftig zu tadeln. Als ihn ſeine Freunde fragten, was ihn ſo muthig mache, dem Maͤchtigen zu trotzen, ſo ant⸗ wortete er:Mein Alter gibt mir dieſen Muth. Er ſtarb, und ſeine letzten Blicke ſahen ſein Vaterland nicht frei.

Aber Athen war in keines Barbaren Haͤnde gefallen. Piſi⸗ ſtratus war ein edler Menſch, und ehrte die Solon'ſchen Geſetze. Als er in der Folge zweimal von ſeinem Nebenbuhler vertrieben und zweimal wieder Meiſter von der Stadt wurde, bis er end⸗ lich im ruhigen Beſitz ſeiner Herrſchaft blieb, machte er ſeine uſurpation durch wahre Verdienſte um den Staat und glaͤnzende Tugenden vergeſſen. Niemand bemerkte unter ihm, daß Athen nicht mehr frei war, ſo gelind und ſtill. floß ſeine Regierung, und nicht er, ſondern Solons Geſetze herrſchten. Piſiſtratus eröffnete das goldene Alter von Athen; unter ihm daͤmmerte der ſchoͤne Morgen der griechiſchen Kuͤnſte auf. Er ſtarb, wie ein Vater bedauert.

Sein angefangenes Werk wurde von ſeinen Soͤhnen Hip⸗ parch und Hippias fortgeſetzt. Beide Bruͤder regierten mit Eintracht, und gleiche Liebe zur Viſſenſchaft beſeelte beide. unter ihnen bluͤhten ſchon Simonides und Anakreon, und die Akademie wurde geſtiftet. Alles eilte dem herrlichen Zeitalter des Perikles entgegen.

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