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„ Nach dem Tode des Kodrus wurde die koͤnigliche Wuͤrde in Athen abgeſchafft, und einer Obrigkeit, die den Namen Archon fuͤhrte, die hoͤchſte Gewalt auf Lebenslang uͤber⸗ tragen. In einem Zeitraum von mehr als dreihundert Jahren herrſchten dreizehn ſolcher Archonten in Athen, und aus dieſem Zeitraum hat uns die Geſchichte nichts Merkwuͤrdiges von der neuen Republik aufbehalten. Aber der Geiſt der Demokratie, der den Athenienſern ſchon zu Homers Zeiten eigenthuͤmlich war, regte ſich am Schluß dieſer Periode wieder. Eine lebenslaͤngliche Dauer des Archontats war ihnen doch ein allzulebhaftes Bild der koͤniglichen Wuͤrde, und vielleicht hatten die vorhergegangenen Archonten ihre große und dauerhafte Macht mißbraucht. Man ſetzte alſo die Dauer der Archonten auf zehn Jahre. Ein wichtiger Schritt zur künftigen Freiheit; denn dadurch, daß es alle zehn Jahre einen neuen Beherrſcher waͤhlte, erneuerte das Volk den Act ſeiner Souveraͤnetaͤt, es nahm alle zehn Jahre ſeine weggegebene Gewalt zuruͤck, um ſie nach Gutbefinden von neuem wegzugeben. Dadurch blieb ihm immer in friſchem Gedaͤchtniß, was die Unterthanen erb⸗ licher Monarchien zuletzt ganz vergeſſen, daß es ſelbſt die Quelle der hoͤchſten Gewalt, daß der Fuͤrſt nur das Geſchoͤpf der Nation iſt.
Dreihundert Jahre hatte das athenienſiſche Volk einen lebenslaͤnglichen Archon uͤber ſich geduldet, aber der zehn⸗ jaͤhrigen Archonten wurde es ſchon im ſiebenzigſten Jahre muͤde. Dieß war ganz natuͤrlich, denn waͤhrend dieſer Zeit hatte es ſiebenmal die Archontenwahl erneuert, es war alſo ſiebenmal an ſeine Souveraͤnetaͤt erinnert worden. Der Geiſt der Freiheit hatte ſich alſo in der zweiten Periode weit leb⸗ hafter regen muͤſſen, weit ſchneller entwickeln muͤſſen, als in der erſten.


