Teil eines Werkes 
9. Band (1838)
Entstehung
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Koönigsmar k volluͤhrte ihn glücklich, und erwarb ſich dadurch den Ruhm, den dreißigiaͤhrigen Krieg durch die letzte glänzende Action beſchloſſen zu haben. Nicht mehr als Einen Todten koſtete den Schweden dieſer entſcheidende Streich, der endlich die Unentſchloſſenbeit des Kaiſers beſiegte. Die Altſtadt aber, Prags großere Hälfte, die durch die Moldau davon getrennt war, ermüdete durch ihren lebhaften Widerſtand auch den Pfalzgrafen Karl Guſtav, den Thronfolger der C hriſtina, der mit friſchen Voͤlkern aus Schweden angelangt war und die ganze ſchwediſche Macht aus Boͤhmen und Schleſien vor ihren Mauern verſammelte. Der eintretende Winter nöthigte endlich die Belagerer in die Winterquartiere, und in dieſen erreichte ſie die Botſchaft des zu Osnabruͤck und Münſter am vierundzwanzigſten October unterzeichneten Friedens.

Was für ein Rieſenwerk es war, dieſen unter dem Namen des weſtphaliſchen berüͤhmten, unverletzlichen und heiligen Frie⸗ den zu ſchließen, welche unendlich ſcheinenden Hinderniſſe zu be⸗ kaͤmpfen, welche ſtreitenden Intereſſen zu vereinigen waren, welche Reihe von Zufällen zuſammen wirken mußte, dieſes mühſame, theure und dauernde Werk der Staatskunſt zu Stande zu bringen, was es koſtete, die Unterhandlungen auch nur zu eroͤffnen, was es koſtete, die ſchon eröffneten unter den wechſelnden Spielen des immer fortgeſetzten Krieges im Gange zu erhalten, was es koſtete, dem wirklich vollendeten das Siegel aufzudrücken und den feierlich abgekündigten zur wirklichen Vollziehung zu bringen was endlich der Inhalt dieſes Friedens war, was durch dreißigjahrige Anſtrengungen und Leiden von jedem einzelnen Kämpfer gewonnen oder ver⸗ loren worden iſt, und welchen Vortheil oder Nachtheil die europaͤiſche Geſellſchaft im Großen und im Ganzen dabei mag geerntet haben muß einer andern Feder vorbehalten bleiben.