30
Was hab' ich denn ſo Straͤfliches gethan, Um mich gleich einem Mörder zu verbergen? Dem frechen Buben, der die Ochſen mir,
Das treffliche Geſpann, vor meinen Augen Weg wollte treiben auf des Vogts Geheiß, Hab' ich den Finger mit dem Stab gebrochen.
Walther fürſt. Ihr ſeyd zu raſch. Der Bube war des Vogts; Von Eurer Obrigkeit war er geſendet. Ihr wart in Straf' gefallen, mußtet Euch, Wie ſchwer ſie war, der Buße ſchweigend fügen. Melchthal. Ertragen ſollt' ich die leichtfert'ge Rede Des Unverſchämten:„Wenn der Bauer Brod Wollt' eſſen, moͤg' er ſelbſt am Pfluge ziehn!“ In die Seele ſchnitt mir's, als der Bub die Ochſen, Die ſchönen Thiere, von dem Pfluge ſpannte; Dumpf bruͤllten ſie, als hätten ſie Gefühl Der Ungebühr, und ſtießen mit den Hoͤrnern: Da übernahm mich der gerechte Zorn, und, meiner ſelbſt nicht Herr, ſchlug ich den Boten. Walther Fürſt. O, kaum bezwingen wir das eigne Herz: Wie ſoll die raſche Jugend ſich bezähmen! Kelchthal, Mich jammert nur der Vater— Er bedarf So ſehr der Pflege, und ſein Sohn iſt fern. Der Vogt iſt ihm gehaſſig, weil er ſtets Fur Recht und Freiheit redlich hat geſtritten. Drum werden ſie den alten Mann bedrängen,


