49²2
— Jetzt biſt du meine Schweſter, und dein Mitleid Fordr' ich von dir als einen heil'gen Zoll. (Er ſieht ſie mit forſchenden Blicken und ſchmerzlicher Erwartung an, dann wendet er ſich mit Heftigkeit von ihr.) Nein, nein, nicht ſehen kann ich dieſe Thränen— In dieſes Todten Gegenwart verlaͤßt Der Muth mich und die Bruſt zerreißt der Zweifel— — Laß mich im Irrthum! Weine im Verborgnen! Sieh' nie mich wieder— niemals mehr— Nicht dich, Nicht deine Mutter will ich wieder ſehen. Sie hat mich nie geliebt! Verrathen endlich Hat ſich ihr Herz, der Schmerz hat es geöffnet. Sie nannt' ihn ihren beſſern Sohn!— So hat ſie Verſtellung ausgeübt ihr ganzes Leben! — Und du biſt falſch, wie ſie! Zwinge dich nicht! Zeig' deinen Abſcheu! Mein verhaßtes Antlitz Sollſt du nicht wieder ſehn! Geh' hin auf ewig! (Er geht ab. Sie ſteht unſchlüſſig, im Kampf widerſprechender Gefühle dann reißt ſie ſich los und geht.) Chor.(Cajetan.) Wohl Dem, ſelig muß ich ihn preiſen, Der in der Stille der ländlichen Flur, Fern von des Lebens verworrenen Kreiſen, Kindlich liegt an der Bruſt der Natur! Denn das Herz wird mir ſchwer in der Fürſten Palaſten, Wenn ich herab vom Gipfel des Glücks Stürzen ſehe die Hoͤchſten, die Beſten In der Schnelle des Augenblicks! Und auch Der hat ſich wohl gebettet, Der aus der ſtürnniſchen Lebenswelle,


