31
Jetzt fühl ich, was Das heißt— ſein Kind erwürgen!
Die Tochter meines Bruders am Altar
Um meiner Heirath willen hingeſchlachtet—
Nein, Das erbarmt mich, wenn ich nur dran denke!
Was hat dein Kind mit dieſer Helena
Zu ſchaffen? Die Armee der Griechen mag
Nach Hauſe gehn. Drum, lieber Bruder, höre
Doch auf, in Thränen dich zu baden und
Auch mir die Thranen in das Aug' zu treiben.
Will ein Orakel an dein Kind— das hat
Mit mir nichts mehr zu ſchaffen. Meinen Antheil
Erlaſſ' ich dir. Es ſiegt die Bruderliebe.
Entſag' ich einem grauſamen Begehren,
Was hab' ich mehr als meine Pflicht gethan?
Ein guter Mann wird ſtets das Beſſ're wählen.
Chor.
Das nenn' ich brav gedacht und ſchön— und wie
Man denken ſoll in Tantalus Geſchlechte!
Du zeigſt dich deiner Ahnherrn werth, Atride. Agamemnon.
Jetzt redeſt du, wie einem Bruder ziemt.
Du überraſcheſt mich. Ich muß dich loben. Menelaus.
Lieb' und Gewinnſucht möͤgen oft genug
Die Eintracht ſtören zwiſchen Brüdern. Mich
Hat's jederzeit empört, wenn Blutsverwandte
Das Leben wechſelſeitig ſich verbittern. Agamemnon.
Wahr! Doch, ach! dies wendet die entſetzliche


