Teil eines Werkes 
3. Band (1838)
Entstehung
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Zum Streite ſtuͤrzt ganz Griechenland. In Aulis Verſammelt ſich mit Schiffen, Roſſen, Wagen Und Schilden ſchnell ein fürchterlicher Mars. Mich, des Erzuͤrnten Bruder, wäͤhlen ſie

Zu ihrem Oberhaupt. Unſel'ges Scepter, Waͤrſt du in andre Hände doch gefallen!

Nun liegt das ganze aufgebotne Heer,

Weil ihm die Winde widerſtreben, müßig

In Aulis Engen. Unter fürchterlichen Beaͤngſtigungen bringt der Seher Kalchas

Den Götterſpruch hervor, daß, wenn die Winde Sich drehn, und Trojas Thürme fallen ſollen, Auf Artemis Altar, der Schützerin

Von Aulis, meine Iphigenia, mein Kind,

Als Opfer bluten müſſe; blutete

Sie nicht, dann weder Fahrt, noch Sieg. Sogleich Erhält Thalthybius von mir Befehl,

Mit lautem Heroldsruf das ganze Heer

Der Griechen abzudanken. Nimmermehr

Will ich zur Schlachtbank meine Tochter führen. Durch ſeiner Gründe Kraft, und Erd' und Himmel Bewegend, reißt der Bruder endlich doch

Mich hin, das Graͤßliche geſchehn zu laſſen. Nun ſchreib' ich an die Königin, gebiet'

Ihr, ungeſäumt, zur Hochzeit mit Achill,

Die Tochter mir nach Aulis herzuſenden.

Hoch rühm' ich ihr des Bräutigams Verdienſt; Sie raſcher anzutreiben, ſetz' ich noch

Hinzu, es weigre ſich Achill, mit uns

Nach Ilion zu ziehn, bevor er ſie

Als Gattin in ſein Phthia heimgeſendet.