Teil eines Werkes 
2. Band (1838)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

461

ſchmelzenden Augen weg! Ich erliege. Komm in deiner unge⸗ heuern Furchtbarkeit, Schlange! ſpring' an mir auf, Wurm!— Krame vor mir deine graͤßlichen Knoten aus, baͤume deine Wirbel zum Himmel!— ſo abſcheulich, als dich jemals der Abgrund ſah— nur keinen Engel mehr— Nur jetzt keinen Engel mehr— Es iſt zu ſpaͤt— Ich muß dich zertreten, wie eine Natter, oder verzweifeln.— Erbarme dich!

Louiſe. Ol daß es ſo weit kommen mußte!

Ferdinand(ſe von der Seite betrachtend). Dieſes ſchoͤne Werk des himmliſchen Bildners— Wer kann das glauben?— Wer ſollte das glauben?(Ihre Hand ſaſſend und emporhaltend.) Ich will dich nicht zur Rede ſtellen, Gott Schoͤpfer!— Aber warum denn dein Gift in ſo ſchoͤnen Gefaͤßen?—— Kann das Laſter in dieſem milden Himmelsſtrich fortkommen?— O es iſt ſeltſam! 3

Coniſe. Das anhoͤren und ſchweigen zu muͤſſen!

Ferdinand. Und die ſuͤße melodiſche Stimme— Wie kann ſo viel Wohlklang kommen aus zerriſſenen Saiten? Mit trunknem Auge auf ihrem Blick verweilend.) Alles ſo ſchoͤn— ſo voll Ebenmaß— ſo goͤttlich vollkommen!— Ueberall das Werk ſeiner himmliſchen Schaͤferſtunde! Bei Gott! als waͤre die große Welt nur entſtanden, den Schoͤpfer fuͤr dieſes Meiſterſtuͤck in Laune zu ſetzen.—— Und nur in der Seele ſollte Gott ſich vergriffen haben? Iſt es moͤglich, daß dieſe empoͤrende Mißgeburt in die Natur ohne Tadel kam?(Indem er ſie ſchnell verläßt.) Oder ſah er einen Engel unter dem Meißel hervorgehen und half dieſem Irrthum in der Eile mit einem deſto ſchlech⸗

tern Herzen ab?

Louiſe. O des frevelhaften Eigenſinns! Ehe er ſich eine Uebereilung geſtaͤnde, greift er lieber den Himmel an.

Ferdinand(ſuͤrzt ihr heftig weinend um den Hals). Noch