Teil eines Werkes 
2. Band (1838)
Entstehung
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Gewiſſen nach der neueſten Facon anmeſſen laſſen, um es huͤbſch weiter aufzuſchnallen, wie wir zulegen. Was koͤnnen wir dafuͤr? Geht zum Schneider! Ich habe Langes und Breites von einer ſogenannten Blutliebe ſchwatzen gehort, das einem ordentlichen Hausmann den Kopf heiß machen koͤnnte—Das iſt dein Bruder! — das iſt verdolmetſcht: er iſt aus eben dem Ofen geſchoſſen worden, aus dem du geſchoſſen biſt— alſo ſey er dir heilig!— Merkt doch einmal dieſe verzwickte Conſequenz, dieſen poſſierlichen Schluß von der Nachbarſchaft der Leiber auf die Harmonie der Geiſter, von eben derſelben Heimath zu eben derſe eelben Empfindung, von einerlei Koſt zu einerlei Neigung. Aber weiter— es iſt dein Vater! er hat dir das Leben gegeben, du biſt ſein Fleiſch, ſein Blut— alſo ſey er dir heilig! Wiederum eine ſchlaue Conſequenz! Ich moͤchte do ch fragen, warum hat er mich gemacht? doch wohl nicht gar aus Liebe zu mir, der erſt ein Ich werden ſollte? Hat er mich gekannt, ehe er mich machte? oder hat er an mich gedacht, wie er mich machte? oder hat er mich gewuͤnſcht, da er mich machte? wußte er, was ich werden wuͤrde? Das wollt' ich ihm nicht rathen, ſonſt moͤcht' ich ihn dafuͤr ſtrafen, daß er mich doch gemacht hat! Kann ich's ihm Dank wiſſen, daß ich ein Mann wurde? So wenig, als ich ihn verklagen koͤnnte, wenn er ein Weib aus mir gemacht haͤtte. Kann ich eine Liebe erkennen, die ſich nicht auf Achtung gegen mein Selbſt gruͤndet? Konnte Achtung gegen mein Selbſt vorhanden ſeyn, das erſt dadurch entſtehen ſollte, davon es die Vorausſetzung ſeyn muß? Wo ſteckt denn nun das Heilige? Etwa im Actus ſelber, durch den ich entſtund? Als wenn dieſer etwas mehr waͤre, als viehiſcher Proceß zur Stillung viehiſcher Begierden? Oder ſteckt es vielleicht im Reſultat dieſes Actus, der doch nichts iſt, als eiſerne Noth⸗ wendigkeit, die man ſo gerne wegwunſchte, wenn's nicht auf Unkoſten von Fleiſch und Blut geſchehen muͤßte? Soll ich ihm