Teil eines Werkes 
2. Band (1838)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

20

Ich ſage dir, bring' meinen Sohn nicht zur Verzweiflung!(Geht traurig ab.)

Franz emit Lachen ihm nachſehend). Troͤſte dich, Alter! du wirſt ihn nimmer an dieſe Bruſt druͤcken; der Weg dazu iſt ihm verrammelt, wie der Himmel der Hoͤlle Er war aus deinen Armen geriſſen, eh' du wußteſt, daß du es wollen koͤnnteſt Da muͤßt' ich ein erbaͤrmlicher Stuͤmper ſeyn, wenn ich's nicht einmal ſo weit gebracht haͤtte, einen Sohn vom Herzen des Vaters loszuloͤſen, und wenn er mit ehernen Banden daran geklammert waͤre Ich hab' einen magiſchen Kreis von Fluͤchen um dich gezogen, den er nicht uͤberſpringen ſollGlück zu, Franz! weg iſt das Schooßkind der Wald iſt heller. Ich muß dieſe Papiere vollends aufheben, wie leicht koͤnnte Jemand meine Handſchrift kennen?(Er liest die zerriſſenen Briefſtuͤcke uſammen.) Und Gram wird auch den Alten bald fortſchaffen, und ihr muß ich die⸗ ſen Karl aus dem Herzen reißen, wenn auch ihr halbes Leben daran haͤngen bleiben ſollte.

Ich habe große Rechte, uͤber die Natur ungehalten zu ſeyn, und, bei meiner Ehre! ich will ſie geltend machen.Warum bin ich nicht der Erſte aus Mutterleib gekrochen? warum nicht der Einzige? Warum mußte ſie mir dieſe Buͤrde von Haͤßlichkeit auf⸗ laden? gerade mir? Nicht anders, als ob ſie bei meiner Geburt einen Reſt geſetzt haͤtte. Warum gerade mir die Lapplaͤndersnaſe? gerade mir dieſes Mohrenmaul? dieſe Hottentottenaugen? Wirk⸗ lich, ich glaube, ſie hat von allen Menſchenſorten das Scheuß⸗ liche auf einen Haufen geworfen und mich daraus gebacken. Mord und Tod! Wer hat ihr die Vollmacht gegeben, jenem dieſes zu verleihen und mir vorzuenthalten? Konnte ihr Jemand darum hofiren, eh' er entſtund? oder ſie beleidigen, eh' er ſelbſt wurde? Warum ging ſie ſo parteilich zu Werke?

Nein! nein! ich thu' ihr Unrecht. Gab ſie uns doch

4