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en, wo hundert Herren regieren, und durch gegenſeiti⸗ gen Widerſpruch die Macht des Reiches verhindern. Es ſoll werden wie ein Mann; dazu bin ich nach der Bretagne gekommen— gerechter Gott, was geſchieht mit Frangoiſe?! Sie ſinkt zu Boden!“
Bei dieſen laut aufgeſchrieenen Worten wendeten ſich die immer noch verhuͤllten Seigneurs, welche nur eine Pauſe zum Ausbruche erwarteten, mit ihm nach Francoiſe und riefen droͤhnend:„der bretoniſche Gott hat ſie gerichtet!“ und ſtuͤrzten auf den Koͤnig. Aber die Thuͤr hatte ſich auch geoͤffnet bei dem erneuten Aufſchreien, und die Freunde des Koͤnigs, Brion und Montmorency an der Spitze, drangen uͤber Gillovers Leiche herein mit dem Schlachtſchrei Mittelfrank⸗ reichs:„Hier St. Denys!“
Dies beſtuͤrzte die Bretonen, und des Koͤnigs furchtba⸗ res„Halt!“ feſſelte ſie noch einmal. Daß er unbekuͤmmert um die Gefahr an der ſterbenden Francoiſe niederfiel, daß Brion und der Knecht Baptiſte unter Schluchzen Desglei⸗ chen thaten, haͤtte auch ſteinerne Herzen rüͤhren muͤſſen.
Frangoiſens Auge brach nach dem letzten unbeſchreibli⸗ chen Blicke auf den Koͤnig; ihre Lippen bewegten ſich ton⸗ los, ihre Hand druͤckte mit krampfhafter Anſtrengung noch einmal des Koͤnigs Hand und ſie verſchied.
Alles war todtenſtill. Dem Könige liefen die Thraͤnen ſtromweis uͤber die Wangen— er winkte endlich, ohne auf⸗ zublicken, den Vermummten, welche auf einem Haufen eng bei einander ſtanden, mit der Hand abwehrend zu, und ſprach mit von Thraͤnen erſtickter Stimme: Geht! Ich kenne Euch nicht! Möge Gott meinen Frevelan dieſem Engel nicht kennen!
Sie gingen, Chateaubriant in ihrer Mitte, unbehin⸗ dert hinweg.
Dieſer unglückliche Graf floh fuͤr laͤngere Zeit von ſei⸗ nem Hauſe; ſpaͤter verhalf ihm Montmorency, der die Bre⸗ tagne zu ordnen hatte, zu ſtiller Ruͤckkehr auf ſein fuͤr immer gezeichnetes Schloß, in welchem das Grabmal Frangoiſens mit einer Grabſchrift Marot's noch heute zu ſehen iſt.
Louiſon hat ſie in's Grabgewand gehuͤllt, ihr treuer


