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ſchreiend von ihren Sitzen auf, und zogen ihre Schwerter. Der Koͤnig war mit augenblicklichem Tode bedroht, und Niemand bemerkte es, daß die Veranlaſſerin dieſer Scene, daß die jetzt unbeachtete Frangoiſe gerade jetzt den Tod freiwillig umarmte, und ihre Giftphiole mit einem Zuge leerte. Qual und Schmach hatte ſie ſtandhaft ertragen bis an die außerſte Graͤnze: nicht um die Krone des Erd⸗ kreiſes haͤtte ſie von Neuem beginnen moͤgen, und um ſo weniger, je tiefer ſie beim ploͤtzlichen Anblicke des Koͤnigs empfand, daß ſie ihn noch mit aller Kraft ihrer Seele liebe.
Dieſer aber, der hiervon keine Ahnung hatte, zog nicht einmal ſein Schwert gegen die ſchreienden und ihre Schwer⸗ ter zuͤckenden Seigneurs. Er war nach der Bretagne ge⸗ kommen, dies Land ſich unmittelbar anzueignen, er war hier erſchienen, ſowohl fuͤr Francoiſe als gegen dieſen Akt der eigenmaͤchtigen Seigneurs. Nicht nur Margot war ihm
begegnet, ſie konnte ihm nur unbeſtimmte Andentungen
geben— durch Matignon ſelbſt und Baptiſte war er einge⸗
weiht und hergeführt worden. Matignon war in der That
damals hinter des Koͤnigs Ruͤcken von Duprat verſchont wor⸗
den. Die Herzogin Louiſe hatte die Verantwortlichkeit üͤber⸗
nommen, und ihn waͤhrend ihrer Regentſchaft freigelaſſen,
weil Duprat verſicherte, die Sache des Koͤnigs ſei bei
aͤhnlich vorkommenden Faͤllen verloren, weil Niemand mehr eine Verſchworung oder ſonſtigen Berrath entdecken wuüͤrde, wenn der Koͤnig die dafuͤr zugeſtandene Belohnung hinterher nicht leiſtete. Matignon ſollte ſich indeſſen nicht offentlich zeigen, bis die Herzogin Louiſe in einer guͤnſtigen Stunde des Sohnes Zuſtimmung erwirkt habe. In dieſem Zuſtande eines halb Geaͤchteten erhielt Matignon die Ladung nach Chateaubriant, und erfuhr gleichzeitig, daß am naͤchſten Tage der Koͤnig Franz auf ſeiner Reiſe. nach Rennes in La⸗ val erwartet werde. Er faßte einen herzhaften Entſchluß⸗ Des Koͤnigs Stimmung gegen die Anmaaßungen der Seig⸗ neurie kennend, hoffte er beſonders in dem vorliegenden Falle des ſelten gewordenen Ehegerichts, und weil des Koͤnigs Ge⸗ liebte davon bedroht war, dem Koͤnige einen weſentlichen, ko⸗


