Teil eines Werkes 
3. Band (1846)
Entstehung
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gen das, was ſich in ſelbiger Nacht vorbereitete im Thurm⸗ ſchloſſe Chateaubriant's. Dort ſaß der Graf im Mittel⸗ geſchoß dem greiſen Gillover gegenüuͤber am eichenen Tiſche, den eine kupferne Lampe matt beleuchtete. Er hatte dem alten Diener einen Sitz geſtattet, weil er ſich vertrau⸗ lich zeigen, und den Alten um Rath fragen wollte. Er war nicht von ſo feſtem Kern, den Tod der Graͤfin, wel⸗ chen er wirklich begehrte, frank und frei auf ſeine Schul⸗ tern zu nehmen, und er war uͤberhaupt noch nicht im Kla⸗ ren, wie er mit ihr endigen ſolle. Gillover, alter Ueber⸗ lieferungen kundig, ſollte beirathen.

Ich thaͤte, ſprach dieſer langſam, wie mir mein Groß⸗ vater oft erzaͤhlt hat, daß die alten Bretonen bei ſolchem Unheil in der Ehe gethan haben.

Was haben ſie gethan, Gillover?

Wenn ein Herr ſein Weib um Chebruch zuchtigen wollte, ſo beſchied er zwoͤl! Herrn aus der Umgegend zu ſich mit der Bitte, ſie moͤchten um Ehegericht zu halten in ſein Haus kommen. Es ware eine Schande geweſen fuͤr jeden Eheherrn, dies abzuweiſen, denn in fruͤherer Zeit war man darin gewiſſenhaft, und es giebt auch Gott ſei Dank noch zwoͤlf Seigneurs in der Bretagne, welche den alten Brauch genau kennen, und welche ſich einſtellen, wenn man ſie richtig fordert.

Weißt Du, wie die Forderung lautete?

So gut wie mein Paternoſter.

Nun, wenn nun die zwölf Herren kamen 2

Ja, wenn ſie kamen, ſo kamen ſie in braunen Maͤn⸗ teln, die eine Kapnze hatten über's ganze Geſicht, ſo daß nur Augen und Mund frei blieb. Am Thor ſagten ſie ich bin bretoniſcher Eherichter, und traten ein, und ſetzten ſich ſchweigend im Halbkreiſe nieder. Der Klaͤger fuͤhrte dann ſein Weib vor ſie, und erzaͤhlte, weſſen er ſie anzuklagen habe, und forderte Vollmacht zur Strafe

Dieſe Strafe war der Tod?

Der Tod. Des Eheherrn Leibdiener oͤffnete der Ehe⸗ brecherin die Adern an beiden Armen und an beiden Fü⸗