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Iſt dies Alles, was Ihr in ſo guͤnſtiger Stunde ver⸗ langt? ſprach nach einer Pauſe die Regentin.
Die ungluͤckliche Stunde des Landes ſei wenigſtens eine guͤnſtige fuͤr das buͤrgerliche Recht, entgegnete der Praͤſident, welches Gefahr laͤuft, in einem willkuͤhrlichen Regimente des Koͤnigs unterzugehn. Der Himmel hat den Koͤnig ge⸗ ſtraft, das Schwert, worauf er uͤberall allein ſich geſtuͤtzt, iſt zerbrochen, es iſt alſo jetzt der richtige Augenblick fuͤr uns, zuruͤckzufordern, was man uns mit Gewalt entriſſen hat, unſre Rechte und Freiheiten! Der Himmel hat ein Zeichen gegeben, daß es anders werden muß, wenn Frank⸗ reich beſtehen ſoll. Die ſchreckliche Niederlage bei Pavia iſt Strafe des Himmels: Ihr laßt die Ketzerei uͤberall un⸗ geſtraft ihr Haupt erheben; worauf ſollen wir ſchwoͤren und ſchwoͤren laſſen, wenn die Regierung uns die Reli⸗ gion anbrechen und verdaͤchtigen laͤßt? Wir verlangen Ge⸗ richt gegen die Ketzer!
Gericht gegen die Ketzer! ſchrieen die Raͤthe, und die Municipal⸗Deputation ſtimmte donnernd ein in dieſen Ruf. Die Scene ward tumultuariſch, und die Regentin hatte die Uebermacht vornehmer Ruhe hiermit verloren. Alles draͤngte ſich naͤher an ſie heran. Auf Duprat und Bude blickend ſchien ſie zu uͤberlegen, ob es nicht gerathen ſei, dieſe beiden Maͤnner zu opfern, um den ausbrechenden Sturm zu beſchwichtigen. Bude erkannte mit Schrecken, daß Alles wieder zu ſeinem Nachtheil geaͤndert ſei, und das Entſetzen, welches ihm vorher, da fuͤr ſeine Freundin keinerlei Ausſicht vorhanden ſchien, fremd geblieben war,


