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Einbildungskraft ſich vorſtellte. Hilf nun durch Deine Eile, daß dem Konige raſch geholfen werde. Je ſchneller Du dieſen Brief nach Madrid befoͤrderſt, deſto eher iſt der Koͤnig von Frankreich wieder in Paris. Hier— und da⸗ bei ſiegelte ſie das offene Blatt— iſt Dein Geleitsbrief. Gott ſchuͤtze Deine Eil!
Der ſteif gewordene Bote polterte hinaus, und die Regen⸗ tin ſiegelte ſchweigend weiter. Dann uͤbergab ſie drei Briefe dem Diener, bei jedem langſam die Auſſchrift vorleſend: An den Herzog von Geldern— der Reiter ſoll fliegen und dem Herzoge mündlich wiederholen, daß er ſeine Lanz⸗ knechte geradeaus uͤber Paris fuͤhren ſoll;— An den Her⸗ zog von Guiſe— er ſoll die Truppen aus der Champagne ebenfalls über Paris fuͤhren;— An den Grafen Lautrec von Foir, der die ſavoyiſche Grenze zu beſetzen hat— fuͤr die beiden erſten die beſten Pferde aus meinem Stalle!
Als der Diener hinausging, blieb ſie nachdenkend, von den Deputationen abgekehrt vor dem Tiſche ſtehn, ei⸗ nen noch ungeſiegelten Brief, wie es ſchien bloß mechaniſch ergreifend. Es fing an, bei dem ununterbrochen ſtroͤmen⸗ den Regen zeitig dunkel zu werden, und die zwei Kerzen auf dem Armleuchter erhellten den duͤſtern Saal nur noth⸗ duͤrftig.
Der Vicepräſident unterbrach jetzt zum zweiten Mal die Stille, und jetzt hatte die Regentin keine Veranlaſſung mehr, ihn wiederum zu unterbrechen. Er trug in nach⸗ drücklichen und an Kraft immer wachſenden Worten die Beſchwerden des Parlamentes vor, welches ſeit Jahren


