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ſein, ſie als Koͤnigin von Frankreich denn als reuige Graͤfin Chateaubriant zu ſehen.“
So iſt's. O, Breze, ich ſchaͤme mich meiner Schwaͤche, ich liebe mein Weib noch, auch da ſie ſich und mich entehrt⸗ hat, und mein Herz iſt ſo ſchwach, daß es noch immer auf ein duͤrftiges, wenn auch ein ganz duͤrftiges Familieuglüͤck hoffen will;— es iſt ſchmachvoll!
„Wir brauchen unſere Weiber fuͤr's Haus und fuͤr die Ehre, wir koͤnnen nicht gegen das Schickſal.“
Nein, Breze, ich werde meiner Herr werden, ich habe mir eine Grenze geſteckt, ich habe mir geſchworen und ich wiederhole dieſen Schwur bei Gottes Blitzen, die meine Ahnenbilder beleuchten: wenn mein Weib noch einmal die Hand zuruͤckweiſ't, die ich ihr noch einmal biete, dann laß ich Gericht halten uͤber ſie, wie die Bretonen gethan in grauer Vorzeit gegen die Chebrecherinnen, und laſſe ſie toͤdten von der Hand meiner Knechte, ſo mir Gott helfe!
Es war unterdeß immer finſterer geworden, und bei den letzten Worten Chateaubriant's krachte Donner und Blitz zuſammen uͤber dem Schloſſe, daß alles Bewegliche erbebte und die kleine Conſtance ſchreiend ſich an den Vater klammerte, der ſelbſt todtenbleich geworden war. Denn vor ſeinen Augen hatte ſich im grellen Lichte des Blitzes das Bild des aͤlteſten Ahnherrn an der Wand bewegt und es ſtuͤrzte jetzt praſſelnd vor ihm auf den Boden. In dem⸗ ſelben Augenblicke oͤffnete Gillover die Bruͤckenpforte und führte im Scheine einer Kienfackel Baptiſte in's Gemach. Baptiſte trug einen Brief in der Hand und uberreichte ihn dem Grafen mit den Worten: Gnaͤdigſter Herr Graf, es


