Teil eines Werkes 
1. Band (1846)
Entstehung
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ein Weib Deines Verſtandes bloß aus beſchraͤnkter Anſicht und bloß aus Furcht vor dem Urtheile beſchraͤnkter Anſicht ſeine ſchoͤnſte Lebenszeit kaſteie—

Florentin!

Sage nichts! Ich habe Dich bewundert, daß Du die Staͤrke hatteſt, den Koͤnig ſo lange entfernt von Dir zu hal⸗ ten, Du haſt dadurch fuͤr die Hoͤhe der Neigung und fuͤr Deine buͤrgerliche Stellung meiſterhaft geſorgt, Du biſt jetzt ſicher, einen feſten Platz an ſeiner Seite zu gewinnen, und wenn Du Koͤnigin von Frankreich biſt, ſo magſt Du's mit Stolz ſagen, daß Du es nicht nur der Schoͤnheit verdankeſt, welche Dir Gott geſchenkt, ſondern auch der geiſtigen Ge⸗ ſchicklichkeit, welche Du Dir ſelbſt erworben.

Aber Du entſetzeſt mich zum Aeußerſten, Florentin! Das glaub' ich wohl, ſagte er lachend und ihr die Hand kuͤſſend, welche ſie hinweg ziehn wollte, und welche er feſt⸗ hielt,— denn dies habt Ihr Weiber vor uns voraus, daß Ihr ohne Raiſonnement handelt. Die Klugheit, welche wir muͤhſam in ein Syſtem ſtellen, iſt Euch Inſtinkt, und deshalb heißt es auch ſo zierlich: die Weiber denken mit dem Herzen. Laſſen wir alſo die allgemeinen Phraſen, es gehoͤrt zum weiblichen Inſtinkte, fuͤr ſich keine allgemeine Regel einzu⸗ geſtehn, und, wie es heißt, dem Herzen, dem ſyſtemloſen nach zu handeln. Verliere Dich nur nicht zu weit in der Selbſtpeinigung, welche Dir die formelle Tugend auferlegt, beuge Dich dieſer Tugend nicht gar zu furchtſam, erinnere Dich, daß Dein wahrhaftiger Menſch anders in Dir ſpricht, und erinnere Dich, daß Du mit fortgeſetzter Selbſtpeinigung

den Tempel, welchen Gott in Dir errichtet, den ſchoͤnen Leib Laube, Chateaubriant. I. 12