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eines nahenden Leidens. Ella hatte weder viel mehr zu hoffen, noch zu erdulden. Konſtanze begann zu fühlen, daß das menſchliche Glück nicht dauernd ſeyn kann und auf dem Höhepunkte ehlichen Glückes blickte ſie furchtſam umher, Unglück möchte die glänzende Ausſicht verdunkeln.
Haſtige Fußtritte ließen ſich auf den Treppen hören. Erwartungsvolle Röthe färbte die durch⸗ ſichtigen Wangen Konſtanze's, als ſie, ihren Säug⸗ ling feſter an ſich drückend, ihrem Gatten entgegen eilte.
„Theurer Leopold!“ rief ſie, aber Staunen hemmte ihre Worte. Lindenberg, bleich, zerſtreut und bekümmert, konnte kaum die zärtlichen Küſſe der
Begrüßung erwiedern. Er hielt einen offenen Brief in der Hand, auf dem ein fremdes Poſtzeichen zu ſehen war.
„Sprich, was iſt's mit Albert?— mein Bruder — lebt er?“
Eine augenblickliche Pauſe erfolgte; Alles ver⸗ ſammelte ſich um Lindenberg und Konſtanze faßte den Brief. Ella ſtand wenige Schritte hinter den Uebrigen; ihre Farbe hatte jene Marmorweiße an⸗ genommen, die ein ſtarkes, inneres Gefühl ausdrückt, aber kein Wort der Frage oder der Vermuthung


