Teil eines Werkes 
3. Band (1839)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

-2 278 S⸗

die fröhlichen Melodien, die ihrer zerrütteten Ein⸗ bildungskraft ſeltſame überirdiſche Töne entgegen zu führen ſchienen; als ob die Klagen eines körperloſen Geiſtes ihre traurigen Töne in den lauten Jubel der Inſtrumente miſchten, und ihre Augen, mit Thränen gefüllt, ſchweiften unthätig über die heitere Scene, in fruchtloſem Forſchen nach ihm, der nicht erſchien. Gruppen von fröhlichen Masken gingen auf und nieder; aber keine brachte Nachricht oder Troſt, oder nahm auch nur Kenntniß von dem fragenden Blicke der ängſtlichen Gattin, die mitten in der Luſtbarkeit ſaß, ohne dieſe zu theilen.

Endlich wurde ihr die Spannung unerträglich; ihre Unruhe wurde heftiger, ſie ſehnte ſich, den Kreis zu verlaſſen, wo jedes Auge ſie zu verſpotten, ihr Vorwürfe zu machen ſchien, wo jede Lippe ſich höhnend verzog und kein freundlicher Ton des Mit⸗ gefühls hörbar war. Aber ſie war auf ihre Stelle gebannt, ihre Geſellſchaft war zerſtreut, Leopold war gegangen, die Roſenthal war nicht mehr ſicht⸗ bar und ihr Gatte kam nicht.

Die erſte Morgenſtünde hatte geſchlagen, der Lärm legte ſich allmählig; die Lampen erbleichten; die Muſik wurde ſchwächer; die heitere Verſammlung wurde nach und nach kleiner. Die zahlreichen Zim⸗ mer, noch vor Kurzem bis zum Uebermaß gefüllt