Teil eines Werkes 
3. Band (1839)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

2 25 So⸗

Unſere Treue, unſere Beharrlichkeit müſſen ihn ver⸗ ſöhnen. Wir ſind jung und können hoffen. Als wir uns zuerſt begegneten, warſt Du ein ſpielendes Kind und ich ein bloßer Knabe. Unſere Liebe iſt mit uns herangewachſen; ſie wurde ein Theil unſeres Weſens; und die Bande, die uns vereinigen, können durch die willkührlichen Befehle väterlichen Ehrgeizes und An⸗ ſehens nicht getrennt werden. Kann die ſüße Blume, die ihre zarten Faſern in mein Herz verſchlungen hat, durch die Ereigniſſe eines Tages mit der Wurzel ausge⸗ riſſen werden? Sie dürfen uns nicht trennen, Ge⸗ liebte! Gedenke der Stunden unſchuldigen, vertrauens⸗ vollen Glückes, die wir mit einander verlebt haben. Die Erinnerung muß mein Sachwalter ſeyn. Ge⸗ denke meiner, meiner treuen Liebe, und ſende mir ein Zeichen Deiner Beſtändigkeit zurück.

Dieſe Briefe wurden einem treuen Diener ein⸗ gehändigt, der von Jugend auf mit Albert gelebt hatte und auf deſſen Anhänglichkeit er volles Ver⸗ trauen ſetzte. Viele Tage mußten dahin gehen, ehe der Bote von Ehrenſels zurückkehren konnte. Wäh⸗ rend dieſer traurigen Zwiſchenzeit erduldete Albert die Qualen der Erwartung in all' ihrer endloſen Mannichfaltigkeit; Zweifel, Hoffnung, Furcht und Verzweiflung beſtürmten ihn der Reihe nach; und