Teil eines Werkes 
2. Band (1839)
Entstehung
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gewinnend, eben ſo entfernt von Schwermuth und Kälte, als von Freude und Vertraulichkeit. Kein Zeichen der Ungeduld oder Vergeßlichkeit entſchlüpfte ihr während der Dauer des Feſtes, das ihr wirklich endlos er⸗ ſchien, und obwohl ſie unter all dem herben Schmerze litt, den die Neuheit und Pein ihrer Lage ihr be⸗ reiten konnte, ſo verrieth doch kein Seufzer und keine Geberde ihre verborgene Qual. Die Baroneſſe allein vermuthete die Wahrheit und ſchätzte die Anſtren gungen ihres Kindes um ſo höher, je genauer ſie den Umfang ihres Schmerzes kannte, während Leo⸗ pold glücklich, gedankenlos, aber liebevoll über das Wohl ſeiner Schweſter ſich freute, unbewußt der Schmerzen, welche den Buſen bewegten, der unter dem Brautgewande wogte.

Endlich ſchlug die erſehnte Stunde der Tren⸗ nung, und als die Gäſte ſich entfernt hatten, bat Frau von Lindenberg einige Augenblicke mit ihrer Tochter allein zu ſeyn, ehe ſie ihre mütterliche Auf⸗ ſicht für immer aufgebe. Es wurde geſtattet, und Ella ſtand allein vor ihrer Mutter.

Theures, theures Kind! rief die letztere, in eine Fluth von Thränen ausbrechend,was ſoll ich ſagen? Du haſt meine glühendſten Hoffnungen er⸗

füllt, meinen zärtlichſten Erwartungen entſprochen. O Ella! ich habe dieſen Tag erlebt, ich habe es