Zärtlichkeit, die einſt ſie allein eingeflößt hatte, war jetzt auf ein anderes, glücklicheres Geſchöpf über⸗ getragen. Stolz und Liebe waren gleich ſehr ge⸗ demüthigt; ihre Selbſtliebe konnte nicht einen Zug ausfindig machen, an dem ſie ſich wieder hätte ſtärken können; es war nicht die entfernteſte Möglichkeit vor⸗ handen, daß ſie noch den kleinſten Theil jenes Her⸗ zene einnehme, das ſie einſt allein ganz beſeſſen hatte, ſie fühlte, daß Roſenthals Wahl nur durch perſönlichen Vorzug, unabhängig von jeder andern Erwägung, beſtimmt worden war. Der ſtarke Aus⸗ druck ſeiner Züge, während er die Dame anblickte, verrieth weit mehr, als eine Sprache hätte aus⸗ drücken können.
„Wie oft habe ich ihn ſo blicken ſehen!“ dachte Ella.„Wie oft bin ich dieſem glänzenden, feurigen Blicke begegnet; wie oft hat meine Gegenwart dieſes beredte Lächeln hervorgelockt— aber ſie iſt ſeine Gattin— und er iſt glücklich!“
Ein tiefer, nur halberſtickter Seufzer löste ſich von ihrer beklommenen Bruſt. Als ſie weiter eilte, fühlte die Baroneſſe den Arm, auf den ſie ſich ſtützte, zittern und zucken unter dem leichten Drucke, aber kein Wort erreichte ihr aufmerkſames Ohr. Das Maß des Schmerzes war gefüllt, und Ella ſprach nicht einmal zu ihrer Mutter.
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