Teil eines Werkes 
2. Band (1839)
Entstehung
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45 S

Ausſichten ihres jungen Lebens troſtlos vernichtet hatte. Sie bemühte ſich, die Vernachläßigung ihres Geliebten mit Ruhe und Ergebung, wenn nicht mit jenem heroiſchen Muthe zu ertragen, der öfter die Folge verwundeten Stolzes als überfließender Liebe iſt. Traurig und widerſtrebend hatte ſie in die düſtern Verhandlungen eingewilligt, und als das unglückliche Gefühl ihrer gänzlichen Verlaſſenheit mit ſeinem vollen Gewichte auf ihr laſtete, fühlte ſie in der Ueberzeugung von Alberts offenbarer Un⸗ würdigkeit zwiefachen Schmerz. Ihr ſtiller anſpruchs⸗ loſer Kummer beſaß eine eigenthümliche Schärfe, er hatte nichts von dem lärmenden Ungeſtüm, den man in der Regel bei den Uebeln des täglichen Lebens wahrnehmen kann, und der in laute Klagen aus⸗ bricht und in dem Umgang und der Geſellſchaft Anderer Troſt findet. Ellas Herz war ein ver⸗ ſchloſſenes Heiligthum; ſie ſprach nicht von ihren Leiden, ſie ſprach nicht von der Vergangenheit; ſie ſuchte keinen Troſt und nahm keinen an. Thränen, ſonſt bei Frauen ein unverſiegliche Quelle der Er⸗ leichterung, waren ihr verſagt; weibliche Zurückhal⸗ tung verbot ihr die äußeren Zeichen einer vergifteten Liebe blicken zu laſſen, der ſie nicht mehr nachzu⸗ hängen wagte, ausgenommen in der Stille der Nacht, wenn jedes menſchliche Auge ſich im Schlummer