welche die Tugend nicht für ihre Fackel erkannt hätte⸗ Das Grab war nicht ſo ſtill als ihr Herz.“
„ O du Teufel, der du die lunſchun derſührreſ, wo biſt du?⸗
„Und ſie war ſcön, wie die Liebs, wie die
ſeligſte Liebe, und fröhlich wie der Geſang der Freude, und fromm und ſchuldlos wie ein Lamm.“ „ S, was hatte meine Schweſter verbrochen, was? daß des Schickſals verheerende Hand ſie ſo hart ergriff? Ach, ſie war ſo demüthig, daß ſie alles, alles wie ein Kind von dem Himmel erwar⸗ tete, nichts von ihrem eigenen weichen Herzen! Sie hatte ſich ja an des Schickſals Bruſt geſchmiegt, wie der vertrauende Saͤugling an der Bruſt der Mutter ruhig ſchlummert; und da liegt ſie wegge⸗ worfen von der Hand der Schande. O weh!“ „Sieh, ich will wie Hamlet alle andere Gedanken, Wünſche und Plaͤne, alle Freuden und
Hoffnungen aus meiner Seele vertilgen, und nur
an ſie denken. Schweſter, ſoll das einzige Wort ſeyn, das meine Zunge nennt.“
6 07 könnt' ich dir ſagen, wie ſie war, wie ſie uns kiebte, meine arme, verzweifelnde Mutter
und mich; wie ſie unſere Armuth ertrug, keinen
Wunſch hatte, als meinen, kein Glück kannte, als meines; wie ihre Freude uns erheiterte, wie ge⸗
ſprächig ſie war, wenn ich von meinen Hoffnun. gen redete, und wie ſie meiner Murtter Alles wur⸗
de, und meines! 14


