—
— 45—
noch alle magiſchen Hoffnungen und Entzuckungen der erſten Liebe lagen; denn wie haͤtte er, ſo lan⸗ ge das erſtarrte Laͤcheln auf dem bleichen Geſichte ſeines Freundes vor ſeinen Augen lag, das leben⸗ volle Lächeln und das Erröthen der Liebe ſehen mö⸗ gen? Eberhardine mied ihn gefliſſentlich, und hing mit aller Liebe noch an der Mutter. Sie ver⸗ both ſich ſogar jeden Blick auf ihn im zarten Mit⸗ leiden. Nur wenn ſie vor den Schattenriſſen ſtand, und die hohe Geſtalt des Vaters betrachtete, ſo warf ſie auch die Augen voll doppelter Thraͤnen heim⸗ lich auf eine andere Geſtalt, und ſagte:»Sind wir nicht alle Schatten, wie dieſe?æ
Nach der Beſtattung der Leiche ſagte die Mut⸗ ter ſelbſt:»Nun geht auch Ihr in Gottes Nahmen, Kinder, und alle meine verlornen Freuden mögen Euch als Engel begleiten!«
Dine kniete vor der Mutter. Die Mutter⸗ hand ruhte auf ihrer Stirn. Niemand ſprach ein Wort.“ Jetzt bin ich verwaiſet, Dine, und du nicht mehr. Ihr werdet mich nicht vergeſſen. Nun
geht aber!«
2.
Alber da Eberhardine die Stufen vor dem Hauſe hinunter trat, und ihrer Jugend Heimath hinter ihr blieb, und das gebliebte Haus und ein
ungergegliches Grab, und ſie nun den Arm und


