ganzen ſchönen blauen Tag umhergeſchwärmt hatte, die Weinſteige herab. Mit dem Winter ſchiens ganz vorüber zu ſein, und der Feiertag, der auch ihn von ſeiner Kette losgeſpannt hatte, lockte eine Menge Spaziergänger nach vollendetem Abendgottesdienſt zwiſchen der langen Reihe noch kahler Gärten ins Freie. Sie ſtrebten hinaus, er ſtrebte ſchon wieder zurück. Die raſtloſe Leidenſchaft trieb ihn dem Schloſſe zu, ob er vielleicht das Wehen eines Schleiers, ob er einen Blick erhaſchen könnte. Dießmal aber war es anders beſchloſſen. Denn als er durch das Hauptſtätter Thor gekommen war und am Ochſen einen zufälligen Blick hin⸗ aufgleiten ließ, glaubte er hinter einem Fenſter etwas wie die Strahlen der Abendröthe wahrzunehmen. Er ſah noch einmal ge⸗ nauer hin und ſprang hinauf. Errathen! Schiller ſaß in der ge⸗ wohnten Ecke, gedankenvoll in das leere Glas ſtarrend. Er reichte dem Freunde ſchweigend die Hand.
Was haſt du? wie gehts dir? fragte dieſer, indem er ſich an ſeine Seite ſetzte: die Räuber ſind ja aufgeführt, und du warſt heimlich in Mannheim? Ich habe dich eine ganze Ewigkeit nicht geſehen.
Es ging vortrefflich, ſagte Schiller: aber laß dirs lieber von andern erzählen. Es liegt hinter mir, und was vor mir liegt—
Nun?
Höre, was auch Käſtner ſagen mag daß es keinen leeren Raum gebe, das Menſchenleben kommt mir doch oft wie ein Vacuum vor. Was iſt das für ein Treiben! Ich möchte mich flüchten und weiß nicht wohin. Ja, aus Schwaben nach Deutſchland! Wüßt' ich nur wo das liegt! Aber auch gegen Mannheim ſteigen mir Zweifel auf.
Wenn du ſo ſprichſt, verſetzte Roller, ſo muß es in deinen Arbeiten ſtocken. Was treibſt du denn? iſt der Fiesco bald fertig?
Faſt noch immer der rohe Stoff! erwiderte Schiller tonlos; das Ding ſieht aus wie das ewige Chaos.


