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ſchlanken Mädchen, das, halb ſtädtiſch, halb ländlich gekleidet, in leichter knapper Tracht an einem Baume lehnte, die Hände vor die Augen. Schelm! rief ſie und ſchlug ihn drauf ich kenne dich ſchon, ich habe dich kommen hören.— Sie wandte ihm ein zärt⸗ liches Geſicht mit zwei hellen blauen Augen zu, und bot ihm willig den Mund zum Kuſſe.
Er ſchlang den Arm um ſie, und ſie wandelten durch den Garten ins Freie. Lottchen ſang: Ueb' immer Treu und Redlich⸗ keit! und ihre reine Stimme klang lieblich in den Morgen hinaus. Das enge Thälchen, in welches der Pfad ſich hinabwand, hatte ſchon einen Anflug von dem grünen Teppich, der es nun bald bekleiden ſollte, die Anhöhen zu beiden Seiten lagen in reinem warmem Glanz, aus geringer Entfernung ſchimmerte das Schloß von Vaihingen herüber, in der eigenthümlichen Beleuchtung der frühen Februarſonne ſcharf hervortretend; hinter den Liebenden ragte der Kirchthurm des Dörfchens Illingen hervor, das ſie ſo eben luſtwandelnd verlaſſen hatten. Unſer Pärchen ſog mit un⸗ endlicher Wonne den Hauch des friſchen und doch warmen Mor⸗ gens ein. Dießmal, ſagte Heinrich, verdient der Frühling ſeinen Namen: es iſt ein ſeltenes Feſt, wenn ſchon im Februar die Natur aus dem ſtarren Winterſchlaf erwacht und neu zu leben beginnt. Laß uns glauben, mein Lottchen, freundliche Geiſter haben unſerer Liebe zu Ehren den Freund der Liebenden, den Lenz, erweckt, und er ſchicke ſich nun fröhlich an, unſer Glück mit BZlumen und grünen Zweigen zu bekränzen.
Faſt möcht' ich's auch glauben! rief Lottchen, entwand ſich ihm und hüpfte über den kleinen Bach, der das Thälchen mitten 3 durchſchnitt. Sie hatte mit ihren hellen Augen jenſeits zwei Veilchen entdeckt und eilte ſie zu pflücken. Sieh, Liebſter! ſagte ſie und ſteckte ihm die beiden Blümchen an die Bruſt: ſieh, dieß iſt das Erſte was das Jahr uns bringt, das Beſte was dir meine Liebe geben kann. Laß es dir ein Sinnbild ſein! wie dieſe armen beſcheidenen Blümchen iſt auch meine Liebe arm und unſcheinbar,


