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Aus der erſten Auflage.
Der hiſtoriſche Roman.
Die hiſtoriſche Auffaſſung einer vergangenen Zeit, wenn auch der Genius der Geſchichte ſelbſt ſie eingegeben hätte, wird für die welche die Thatſachen mit durchlebt haben immer etwas Fremd⸗ artiges behalten; denn es iſt nun einmal das Geheimniß dieſer Welt und ihrer Traditionen, daß zwiſchen der Geſchichte und ihrer Darſtellung etwas Unauflösliches liegen bleibt, und wenn man die Todten von Jahrhunderten und Jahrtauſenden her erwecken könnte, um ihnen die Weltgeſchichte zur Prüfung vorzulegen, ſie würden ſich ſchwerlich ganz darin zurechtfinden: entweder würden ſie in einem Chaos von Thatſachen jenes Innere vermiſſen das ihre Zeiten beſeelte, oder wo die wichtigſten Data mit philoſophi⸗ ſcher Abſicht geordnet ſind würden ihnen oft die Begebenheiten in ein willkürliches Licht gerückt erſcheinen. Dieſe Willkürlichkeit ver⸗ meidet auch der gewiſſenhafteſte Geſchichtſchreiber nicht: ſein Ge⸗ ſchäft iſt bloß ſich der Wahrheit ſo weit als möglich zu nähern. Dazu kommt daß ihm die Chroniſten oft ſchlecht in die Hände gearbeitet haben; ja, von wichtigen Vorgängen die kaum dreißig Jahre alt ſind iſt oft ſchwer noch eine umſtändliche Nachricht ein⸗


