Teil eines Werkes 
1. Band (1858)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

ſehen meine Augen? Es war ſo hell drunten, daß man jede Fuge in den Bodenplatten unterſcheiden konnte. Und da er⸗ luſtirte ſich eine Geſellſchaft, wie man nicht leicht eine ſchauen wird, lauter Knochen und klapperdürre Gebeine ohne Haut und Fleiſch. Sie wackelten an den Wänden und Niſchen hin, klopf⸗ ten mit den beinernen Fingern an die Grabſteine, daß es hallte, und da kamen immer noch mehr, bis die ganze Vorhalle von ihnen erfüllt war. Man konnte nicht anders denken als ſie ſeien dem Wahltag zu Ehren aus dem Bett geſchlupft, um ge⸗ ziemender Maßen als Rathsverwandte auch ihre Feſtivität zu haben. Ulrich, verbrenn' dir das Maul nicht! unterbrach ihn der Wirth. Und ihr, rief er den Gäſten zu, indem er die Stimme dämpfte, hütet eure Zungen. Wenn's durch ihn lautbar würde, daß die todte Rathsherrenſchaft am Bürgermeiſterstag im Pa⸗ radies bankettire, er müßt' in den Diebsthurm, wie verwichen der Kantengießer, der mit den Herren gehadert hat im großen Rath. Wir ſagen's nicht weiter! betheuerten die Andern in won⸗ nig grauſiger Erwartung der Dinge, die da kommen ſollten. Zu bankettiren hatten ſie nichts, verſetzte der Thürmer. Es ging ganz mager und trocken her, aber luſtig bei alledem. Man ſollt's nicht glauben, wie Leute, die bei Lebzeiten vielleicht bockſteife Geſichter gemacht haben, nach ihrem Tod ſo kurzweilige Geſellen werden können. Sie hingen ſich an die Glockenſeile, wie wir's in unſerer grünſten Jugend gemacht haben, und flogen daran durch die ganze Halle hin und her. Dann faßten ſie einander Alle an den Händen und begannen einen Reigen zu wackeln, ob dem ich ſchier laut lachen mußte. Es iſt nicht zum Beſchreiben, und ging über jeglichen Faſtnachtsſchwank, wie bei dieſem Tanz die langen Beine einknickten und die dürren Knochen durch einander ſchlotterten. Zuweilen fielen ſie haufenweiſe zu Boden, und Manche, die nicht mehr niet⸗ und nagelfeſt ſein