auf den herrlichen Klang. Fürwahr, begann er, als er ſah, daß die Andern ihre kurze Andacht beendigt hatten, ich bin immer ſtolz auf das Geläute meiner Vaterſtadt geweſen, glaube auch nie ein reineres und einſtimmigeres gehört zu haben, aber Eure Glocke ſticht Alles aus, ſie hat einen wahrhaft goldenen Ton, bei dem es Einem ganz anders wird.
Einen goldenen Ton, verſetzte Meiſter Woltmann, ja, du haſt's getroffen, und zwar iſt's nicht bloß figürlich, ſondern buch⸗ ſtäblich ſo. Die Glocke iſt ein altes koſtbares Werk, wie heutzutage keines mehr gegoſſen wird, denn ſie hat einen ſtarken Zuſatz von echtem Gold erhalten. Du weißt, daß man früher, um einer Glocke den rechten Ton zu geben, eine Beimiſchung von Gold oder Silber für nöthig hielt, die jedoch meiſt in den Säckel des Gießers gefloſſen ſein mag. Hier aber hat der Zufall die Miſchung vollbracht, und eben darum iſt das Gold auch wirklich der Glocke zu Theil gewor⸗ den, wiewohl ſie hinwiederum, ſo oft ſie den Mund aufthut, eine Trauermär' erzählt von dem Fluch, der auf dem Golde ruht. Ich will ſie dir berichten, wie ſie von unſern Alten hinterlaſſen wor⸗ den iſt.
Er gab Katharinen einen Wink, die zinnernen Becher vollzu⸗ ſchenken, und begann hierauf die Geſchichte der Glocke, die, weil nach Ortsbrauch der Eintritt der Nacht durch langes Läuten ge⸗ feiert wurde, die ganze Erzählung mit ihren weichen bebenden Schlägen begleitete.
Vor längerer Zeit, begann der Meiſter, als die Glockengießer⸗ kunſt noch ſelten und nur in den Händen weniger Meiſter war, die mit ihrem Geheimniß in der Welt herumzogen und großen Reich⸗ thum erwarben, kam einſt ein ſolcher wandernder Glockengießer mit ſeinem Geſellen hieher, und erbot ſich, den Bürgern eine Glocke zu gießen. Sein Antrag wurde mit Freuden angenommen, denn ſie hatten noch keine größere. Alles gerieth in Bewegung, man legte


