—j— .
——
2 — 319—
treuer ehrlicher Menſch, trat ins Zimmer. Er ging leiſe auf ſeinen Herrn zu, klopfte ihm ſanft auf die Schulter, und ſagte wehmuͤthig, theilnehmend:„Gnaͤdiger Herr, Sie goͤnnen ſich zu wenig Ruhe! Es iſt ſchon ſo ſpaͤt.... Gnaͤdiger Herr!.... Gehen Sie zu Bette.“
„Du haſt Recht, Joſeph“— erwiederte der
Graf— ganz erſchöpft vom Sopha aufſtehend.
„Ich muß aber erſt noch drei Briefe ſchreiben— dann iſt es voruͤber— Joſeph, ganz voruͤber.“
Er winkte dem treuen Diener, ſich zu ent⸗ fernen, warf ſich in ſeinen Arbeitsſtuhl und ſchrieb:
„Roſalie!
„Die Zeit der Taͤuſchung iſt voruͤber Meine „Freunde, meine beſten, treueſten Freunde ha⸗ „ben mir die Augen geoͤffnet, und Ihnen die „Larve der Tugend vom Geſicht geriſſen, hin⸗ „ter welcher Sie Ihre heuchleriſchen Geſinnun⸗ „gen, Ihre Buhlerei dem Gatten zu verber⸗ „gen ſtrebten.“


