Druckschrift 
Raphael : eine Liebesgeschichte / von Alphonse de Lamartine ; deutsch von Dr. Scherr
Entstehung
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ſichtig, wie voller Milde! Wie wenig kennen wir ihn! Er erlaubt, daß ich Sie liebe, daß Sie mein Bruder ſeien, daß ich, ſo lange ich lebe, hienieden Ihre Schwe⸗ ſter, und ſterbe ich, dort oben Ihr Engel ſei!... O, Naphael, lieben wir ihn, weil er will, daß wir uns lieben, wie wir uns lieben!...

Unter dieſe Worte war ein kleines Kreuz hinge⸗ zeichnet und rings um daſſelbe erkannte man den Druck eines Kuſſes..

103.

Ein anderer Brief mit ganz veränderter Handſchrift und Buchſtaben, welche kreuz und quer auf dem Blatte ſtanden, als wären ſie in der Dunkelheit geſchrieben worden, lautete: 3

Raphael, ich will noch ein Wort mit Ihnen reden. Morgen kann ich es vielleicht nicht mehr! Wenn ich todt bin, ſo ſterben Sie nicht auch. Ich will dort oben über Sie wachen. Ich werde gut und mächtig ſein, wie jener ſo gute Gott, mit dem ich mich ver⸗ einigen werde!... Lieben Sie auch nach mir noch.... Gott wird Ihnen eine andere Schweſter, ſenden, die Ihnen überdieß eine heilige Lebensgefährtinſein wird... Ich ſelbſt will ihn darum bitten.... Fürchten Sie nicht, meine Seele zu betrüben, Raphael!... Ich, ich ſollte im Himmel auf Ihr Glück eiferſüchtig ſein?...

Mir iſt wohler, ſeit ich Ihnen das geſagt habe. Alain wird Ihnen dieſe Gedanken und eine Flechte meiner Haare zuſtellen. Jetzt will ich ſchlafen!...

Endlich enthielt noch ein anderer, beinahe unleſer⸗ licher Brief folgende ganz abgebrochene Zeilen:

Raphael, Raphael, wo ſind Sie? Ich fühlte mich kräftig genug, um das Bett zu verlaſſen.... Ich ſagte zu der bei mir wachenden Frau, daß ich zu ruhen und allein zu ſein wünſche. Ich habe mich beim Schein der Nachtlampe von Möbel zu Möbel bis an den Tiſch