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Raphael : eine Liebesgeschichte / von Alphonse de Lamartine ; deutsch von Dr. Scherr
Entstehung
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100.

Sobhbald er meiner anſichtig ward, rief er mir zu:

Mein Herr, ſind Sie der junge Franzoſe, den

man bei Fanchette erwartet und dem ich dieſes Papier übergeben ſoll?

Mit dieſen Worten ſprang er in's Waſſer, das ihm bis an die Waden reichte, ſchritt mit einem großen Briefe in der Hand auf mich zu und übergab mir den⸗ ſelben. Aus dem Gewichte dieſes Briefes entnahm ich, daß er deren mehrere enthielt. Raſch erbrach ich den erſten Umſchlag und überlas beim Licht des Mondes flüchtig ein vom nämlichen Morgen datirtes Billet meines Freundes Leis in Chambery.

Lerr ſagte mir, die bewußte Wohnung bei der alten Magd in der Vorſtadt ſei für mich beſtellt und in Bereitſchaft; bei unſerm Freunde, dem alten Arzte, ſei noch Niemand aus Paris angekommen; da er von mir ſelbſt wiſſe, daß ich Abends in Haute⸗Combe ſein und dort die Nacht und einen Theil des folgenden Tages zubringen würde, ſo wolle er ſich die Abfahrt eines ſicheren Schiffers, der an der Abtei vorbeikomme, zu Nutze machen, um mir das Paket mit den ſeit zwei Tagen unter meiner Adreſſe angekommenen Briefen, nach welchen ich mich ſehnen müſſe, zu überſchicken; er werde mich den nächſten Abend perſönlich in Haute⸗ Combe abholen und wir mit einander im Dunkel der Nacht über den See fahren und in's Städtchen gehen.

101.

Während ich dieſes Billet durchlief, hielt ich das Paket mit zitternder Hand, Es ſchien mir ſchwer, wie mein Schickſal.