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Raphael : eine Liebesgeschichte / von Alphonse de Lamartine ; deutsch von Dr. Scherr
Entstehung
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oder, dem Innern des Zimmers zugewandt, einen Be⸗ fehl ertheilte. Der etwas fremdartige, obwohl reine Accent, der einigermaßen ſieberhafte, ſchmachtende, ſanfte und doch unendlich wohltönende Klang dieſer Stimme, deren Seele ich verſtand, ohne die Worte zu verſtehen, hatte mich bewegt. Dieſe Stimme hallte noch lange, nachdem ich das Fenſter ſchon geſchloſſen hatte, gleich einem Echo in meinem Ohre nach. Ich hatte ſelbſt in Italien nie eine Stimme gehört, die Aehnlichkeit mit dieſer hatte. Sie klang zwiſchen den halb geſchloſſenen Zähnen, wie jene kleinen metallenen Leiern, welche die Inſelbewohner des Archipelagus Abends am Ufer des Meeres zwiſchen ihren Lippen ertönen laſſen. Es war mehr ein Klingen, als eine Stimme. Ich hatte ſie ver⸗ nommen, ohne zu denken, daß dieſe Stimme ſo tief und auf immer in mein Leben hineinklingen würde. Am folgenden Tage dachte ich nicht mehr daran.

Eines Tages jedoch, als ich vor Abend heimkehrte und den Weg durch die kleine Gartenthüre unter den Reblauben nahm, ſah ich die Fremde, die in den war⸗ men Sonnenſtralen auf einer Gartenbank gegen Son⸗ nenuntergang ſaß, mehr in der Nähe. Sie hatte das Geräuſch der Thüre, die ich wieder hinter mir zuſchloß, nicht gehört und glaubte ſich allein. Ich konnte ſie lange betrachten, ohne geſehen zu werden. Wir waren nur etwa zwanzig Schritte von einander entfernt und durch ein Rebengeländer getrennt, das durch die erſten Fröſte ſeines Schmuckes größtentheils beraubt worden war. Der Schatten der letzten Rebblätter machte ihr Antlitz den Sonnenſtralen ſtreitig, die auf demſelben zu ſchwimmen ſchienen. Ihre Geſtalt ſchien größer, als ſie es von Natur war, wie die jener marmornen, in Gewänder eingehüllten Badenden, deren Wuchs man bewundert, ohne die Formen recht zu unterſcheiden. Auch ſie war in ein Gewand mit weiten, loſen Falten gehüllt, ein weißer am Körper anliegender Shawl ließ nur ihre beiden Hände ſehen, die kreuzweis auf ihren Knieen ruhten. Zwiſchen ihren etwas magern und

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