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ward. Sie bewohnte ſeit einigen Monaten mit einer Kammerfrau das entlegenſte Zimmer ihres Hauſes. In den Speiſeſaal kam ſie nie. Sie aß auf ihrem Zimmer; man ſah ſie nur zwiſchen dem Reblaub hin⸗ durch, wenn ſie an ihrem Fenſter ſaß, das nach dem Garten ging, oder auf der Treppe, wenn ſie von einem Spazierritt auf einem Eſel in die Sennhütten im Ge⸗ birge nach Hauſe zurückkehrte.
Ich hatte Mitleid mit dieſer, gleich mir allein in ein fremdes Land verbannten Dame, die krank ſein mußte, weil ſie hier Geſundheit ſuchte, und jedenfalls eine ſtille Trauer barg, weil ſie den Lärm und ſogar die Blicke der Menge mied. Ich hatte jedoch kein Ver⸗ langen, ſie zu ſehen, welche Bewunderung auch um mich her ihrer Anmuth und ihrer Schönheit geſpendet wurde. Das Herz eingeäſchert, der erbärmlichen und ſchwankenden Neigungen müde, von denen ich keiner, ausgenommen der der armen Antonia, eine wahre Ehr⸗ erbietung in meiner Erinnerung weihte, voller Scham und Reue über leichtſinnige und unordentliche Verbin⸗ dungen, die Seele verbittert durch meine Fehler, ver⸗ trocknet und verſengt durch den Ueberdruß gemeiner Sinnesluſt, von ſchüchternem und zurückhaltendem Cha⸗ rakter und Benehmen, Nichts von jenem Selbſtver⸗ trauen beſitzend, das gewiſſe Menſchen verleitet, aben⸗ teuerliche Begegnungen und Vertraulichkeiten zu ſuchen, dachte ich weder an ein Sehen noch an ein Geſehen⸗ werden. Noch weniger dachte ich an eine Liebe. Ich freute mich im Gegentheil mit einem höhniſchen und falſchen Stolze, dieſe Kinderei in meinem Herzen auf immer erſtickt zu haben, und bei den Leiden und Ge⸗ fühlen dieſer Erde mir ſelbſt zu genügen. An Glück glaubte ich nicht mehr.


