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Raphael : eine Liebesgeschichte / von Alphonse de Lamartine ; deutsch von Dr. Scherr
Entstehung
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3 ihn wider Willen zum Müßiggang und zu einem beſchaulichen Leben. Er hatte Schwingen, die ſich entfalten wollten, aber keine Luft um ſich her, die ihn trug. Er ſtarb jung, den Raum, mit dem Blicke umfaſſend, ohne ihn durchwandert zu haben Sein Traum war ſeine Welt. Möge er ſich wenigſtens im Himmel verwirklichen!

Kennt Ihr das Bild, von dem ich Euch vorhin ſprach, welches Raphael in der Jugendzeit vorſtellt? Es iſt ein ſechszehnjähriges, etwas blaſ⸗ ſes und von der Sonne Roms etwas braun an⸗ gehauchtes Geſicht, auf deſſen Wangen jedoch noch der Flaum der Kindheit blüht. Ein über daſſelbe verbreiteter Lichtſtral ſcheint in dem Sammet der Haut zu ſpielen. Der Ellbogen des Jünglings ſtützt ſich auf einen Tiſch, der aufſtehende Vor⸗ derarm trägt das Haupt, das in der flachen Hand ruht; die bewunderungswürdig geformten Finger drücken dem Kinn und der Wange eine leichte Furche ein. Der Mund iſt fein, melancholiſch, träumeriſch, die Naſe zwiſchen den beiden Augen dünn mit einem etwas bläulichen Anflug, als ließe die zarte Haut das Blau der Adern durch⸗ ſchimmern; die Augen ſind blau, wie der Himmel der Apenninen vor dem Morgenrothe; ſie blicken mit einer leichten Richtung nach dem Himmel vor ſich hin, als ſchauten ſie immer über die Na⸗ tur hinaus. Sie ſind glanzvoll bis in ihre Tiefe, ſcheinen, jedoch etwas feucht von den im Thau oder in Thränen gebrochenen Stralen. 12 ¹ Stirne