Der Leichnam des Erasmus ward daher von den Mönchen in Roderiks Zelle getragen und in einen Sarg gelegt. Dieſer kam indeß von ſeinem einſamen Gange zurück. Sein langſames, leiſes, feyerliches Hinſchreiten durch die hohen Gewölbe des noch dun⸗ keln Kreuzganges erfüllte die Wenigen, die ihm be⸗ gegneten, mit ſolchem Schauder, daß ſie, in der Un⸗ gewißheit, ob Wirklichkeit oder Erſcheinung hier walte, dem ſtummen Wandler auswichen, oder ſchweigend an ihm vorüber gingen.
So kam denn Roderik, ohne von dem Unfalle etwas zu erfahren, zur geöffneten Zelle. Da er die Thür, ſo wie er ſie verlaſſen hatte, noch geſchloſſen wähnte, ſchritt er raſch hinein, ſtieß mit dem Fuße heftig wider den Sarg, ſiel mit der Stirne auf den Rand desſelben, und die tödtliche Wunde raubte ihm ſogleich alle Beſinnung. Als endlich der volle Tage aufleuchtete, fand man ihn auf der Leiche des zer⸗ ſchmetterten Erasmus liegen, wo das Blut beyder ſich vermiſchte. Man erkannte den frühern Irrthum. Als Roderik vom Sarge emporgehoben wurde, kam er zu ſich, um zu hören, wie der herbeyeilende Abt die Leiche wegzutragen geboth, mit dem wehmuthsvollem Aus⸗ ruf:„Deine Leiden ſind geendet, unglücklicher Lomond!


