127
das Beſte, zu frühes Erwecken aber kein Unglück.— »Von heute an, ſchwor Mariechen, dürfe der Vater nie mehr allein ſchlafen!“— Mit dieſen Worten ſchlich ſie unhörbar leiſe auf den Zehen bis an die Thüre des Schlafgemachs, wo ſie ſtehen blieb, bis die Beyden ihr eben ſo ſorgfältig folgten. Mit zitternder Hand drückte ſie nun die Klinke, öffnete, erblickte das Bett leer— und den Greis am Fuße desſelben knieend.
Das Morgenroth unleuchtete ſein ſchneeweißes Haupt. Die gefalteten Hände hielt er hoch empor, und bethete. Ehrfurcht und Andacht beugten die Knie der Tochter. Beym leiſen Geräuſch dieſer Bewegung wandte der alte Vater das Haupt nach der Thür, und erblickte die geliebten Geſtalten, die zu ihm hinflogen und ihn umſchlingend empor hoben. Sanft ſagte er zu den Lieb⸗ koſenden:„Ich erblickte euch gerade in dem Augenblick, da ich Gott für euch um ſeinen Segen bath. Möge das glückliche Zuſammentreffen euch ein gutes Zeichen der Erhörung ſeyn!“—„Und habt Ihr uns den Segen des Himmels erfleht,““— ſagte Carl—„ſo verſagt uns in dieſem ſchönen Augenblick auch den Eurigen nicht!“*
— NMit Freudenthränen drückte der Greis Beyde an ſeine Bruſt; und ſagte tiefgerührt:„So iſt denn nun mein letzter Wunſch hienieden erfüllt.“


