Köpfe noch den Umſtand rechneten, daß in dieſer Gegend der Ohio⸗ ſtrom ſich auf die geringſte Entfernung dem Erie⸗See nähere, ein Canal⸗Durchſtich über kurz oder lang hier ſeine Unternehmer finden und die Bodenpreiſe wohl auf das Zehnfache bringen könne. Mochten nun ſolche Conjecturen werth ſein ſo viel ſie wollten, und auch hier die allgemeine Sitte wirken, daß, wenn ein Kauf erſt realiſirt iſt, Alles umher von den beneidenswerthen aber verſäumten Vortheilen deſſelben ſpricht: genug, Moorfeld hatte wenigſtens keinen Mißgriff gethan. Die Raſchheit ſeines Herzens war nicht zugleich ökonomiſche Uebereilung.
Dieſe Raſchheit des Herzens lieh dem Ankaufe Moorfeld's übrigens doch auch einigen Werth. Und konnten wir gleich nicht ſo prompt, als Moraliſten vielleicht erwarteten, mit dem Geſtändniß herausrücken, daß„das Bewußtſein einer guten That“ ihn für ſein Grundſtück mit jener Selbſtverliebtheit eingenommen, welche gewiſſe Menſchen als „Lohn der Tugend“ in Cours bringen möchten: ſo fing dieſes Be⸗ wußtſein doch an, freundlich nachzuwirken, nachdem die Abſtoßungskraft des erſten Eindrucks der Natur ihren Tribut gezollt. Moorfeld hatte die Genugthuung, das, was noch Liebhaberei an ſeinem Unter⸗ nehmen geweſen, die Auswahl der landſchaftlichen Lage, einem reinen realen Bedürfniß geopfert zu haben. Damit war das letzte Moment des Gefühligen von ſeinem Unternehmen abgeſtreift, damit erſt war es ganz That. Und da vor Geiſtern ſeines Rangs die That über⸗ haupt gut iſt, ſo fühlte er dieſe gute That jetzt, wenn nicht mit der Süßigkeit des Tugendphiliſters, doch wie einen friſchen ſtählernen Luftſtrom, der all ſeine Nerven ausheiterte. Er war im Fahrwaſſer der Unternehmungsluſt.
Zwar die eigentlichen Geſchäfte der Beſitzergreifung, die Pläne und Arbeiten der Coloniſation, konnten jetzt noch nicht beginnen; Anhorſt machte ſeine Marktfahrt und Benthal war noch nicht da. Moorfeld fand ſich vorläufig auf Ferien geſetzt. Aber als ein guter Wirth, der zum Ernſte ſeines Haushalts entſchloſſen iſt, wollte er dieſe Ferien nicht ungenützt verpaſſen. Was einem Manne, der zu exiſtiren gedenkt, außer ſeinem eigenen Schwerpunkte das Wichtigſte ſein muß, das iſt ſeine Umgebung. Moorfeld verlegte ſich zum Erſtlings⸗Anfang auf die Kenntniß ſeiner Nachbarſchaft.
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