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alle frei gemacht hat, und ſie konnten nicht ihn einmal von ein paar häßlichen Linien frei machen! Sind politiſche Helden wohlfeiler als poetiſche? Schnell wandte er ſich hinweg, um ſein Auge an gelungenen Gegenſtänden zu entſchädigen, aber er entdeckte nichts beſonders mehr. Nach einem Bücherſchrank ſah er ſich z. B. vergebens um. Das ein⸗ zige Buch, das er im Zimmer fand, war die Bibel. Sie lag mit einer ſeltſamen Oſtentation auf dem runden Tiſch, der vor dem waldbren⸗ nenden Sopha ſtand. Die Tapeten des Zimmers, der Fußteppich und die Vorhänge waren theilweiſe reiche Stoffe, aber harmonirten in ihren Farben nicht, denn jede einzelne war ſo ſchreiend gewählt, als ob ſie Selbſt⸗ zweck wäre, und die optiſche Belebung des Gemaches allein zu tragen hätte. Die leeren Wandflächen wieſen ein einziges Bild auf, ein Familienportrait, wie es ſchien; Moorfeld wandte aber eben ſo ſchnell wie von dem Waſhing⸗ ton ſein Auge davon. Das Geſicht war wie mit Kalk und Ziegelroth auf eine unerträglich rohe Weiſe gepinſelt. Ein prächtiger Goldrahmen ſchmückte das Bild, aber das Gold ſtand ſo außer Verhältniß zur Kunſt, daß es nur eine Satyre auf daſſelbe ſchien. Das war die Ausſtattung des Parlours. Sie athmete den Geiſt einer bürgerlichen Frugalität, das aufwachende Bedürfniß des Lurus und dieſer ſelbſt wieder den craſſen und heftigen Geſchmack der Kindheit.„Vielleicht ein hübſches Geſicht, aber eine erfrorene Naſe“ murmelte das europäiſche Urtheil unſers Freundes; dem Zimmer fehlte der gemüthliche Zug, wir möch⸗ ten ſagen die organiſche Wärme der Häuslichkeit.
Während Moorfeld dieſe flüchtige und wie wir ſehen nicht ſehr lohnende Rundſchau gehalten hatte, öffnete ſich die innere Thür des Parlours und Herr Staunton, der Hausherr, trat ein. Eine lange ſchmächtige Figur mit enger Bruſt, nach vorn abfallenden Schultern und dünnem Halſe präſentirt ihren amerikaniſchen Typus. Der läng⸗ liche, nicht unedel geformte Kopf zeigt allen Zerfall des Herbſtes, aber allen Schein des Lenzes. Gefärbtes Haar, bepinſelte Augenbraunen, eingeſetzte Zähne, ein leicht aufgetragenes Roth auf dem glattraſirten Geſichte ſchillert aus einer gewiſſen Ferne mit einem gewiſſen Jugend⸗ glanze, natürlich zur mehreren Wehmuth des genauen Betrachters. Die freie, weltmänniſche Haltung des Eintretenden, verbunden mit einer Sorte geſchäftsfreundlicher Heiterkeit iſt gleichſam der moraliſche Theil dieſer Toilettenkunſt. Ein Zug von merkantiler Selbſtſucht wird aus


