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Lange und ſchmerzlich litt die Kranke, und ihr Gatte pflegte ſie mit aller Liebe und Sorgfalt, er wich nicht von ihrem Bette und hoffte bis zur letzten Stunde, daß ihm erhalten bliebe.
Umſonſt— ihre Stunde war gekommen und der Tod kennt kein Erbarmen.
Sie ſtarb verſöhnt mit ihrem Gatten und ihren Kindern, auf dem langen Schmerzenslager war ſie zur Einſicht gekommen.
Sie hatte Zeit gefunden, über die Vergangenheit ernſt und reiflich nachzudenken und es war ihr nun doch Manches klar ge⸗ worden, was ſie früher in einem andern Licht betrachtet hatte.
Sie ſah ein, daß der größere Theil der Schuld auf ſie fiel, daß ſie auf demſelben Wege gewandert war, der ihren Liebling auf die Bahn des Verbrechens geführt hatte.
Sie bat in der Todesſtunde den Gatten um Verzeihung für ſo manchen Aerger, den ſie ihm bereitet hatte, ſie ſagte ihm, daß ſie zu ſeinen Anſichten bekehrt ſei und daß ſie bedaure, der Stimme der Vornunft nicht früher Gehör geſchenkt zu haben.
Davon wollte Bertram Schenk jetzt nichts mehr wiſſen, aber es gewährte ihm doch eine Genugthuung, daß er ſchließlich dennoch Recht behielt.
Er trug die Gattin zu Grabe und folgte der Einladung ſeiner Kinder, die ihm in ihrem Familienkreiſe eine neue Heimath be⸗ reiteten, eine Heimath, in welcher der alte Mann wieder auflebte, in der er, von ſeinen Enkeln umringt, allmählich die Vergangenheit mit ihren düſtern Bildern vergaß.
Bertha war bald nach der Flucht ihres Gatten abgereiſt.
Das Haus, das Mobiliar, die Wagen und Pferde wurden verkauft, und ein Jahr ſpäter brachten die Zeitungen die Nach⸗ richt ihrer ehelichen Verbindung mit dem Chevalier Henri von Chateaurouge. 4
Ob ſie in dieſer neuen Verbindung das Glück fand, welches ſie in der früheren vergeblich geſucht hatte, darüber erfuhr die Familie Schent nichts, Bertha blieb ihr fern, wie ſie ihr ſtets fern geſtanden hatte.
Aber man durfte annehmen, daß dem doch alſo war, gegen⸗ ſeitige Liebe hatte ja das Band geknüpft.
So waren fünfzehn Jahre verſtrichen, und Otto hatte in dieſer Zeit ſein Ziel erreicht.
Sein Etabliſſement iſt heute berühmt in allen Welttheilen und ſein Vermögen ſchätzt man nicht mehr nach Hunderttauſenden ſondern nach Millionen.
Seine gezogenen Kanonen haben das preußiſche Heer auf ſeinem Siegeszuge begleitet und hohe Orden ſchmücken die Bruſt ihres intelligeneen Fabrikanten.


