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Schenk, laſſen Sie dieſe Thüre öffnen und ſchicken Sie einen Boten zur nächſten Polizeiwache.“
Der Schenkwirth erhob ſich, aus dem lebensfrohen, kräftigen Manne war binnen wenigen Minuten ein ſchwacher, hinfälliger Greis geworden.
Die Thüre konnte von Innen nicht geöffnet werden, man mußte Lärm ſchlagen, um die Gäſte, die ſich noch an der Tafel befanden, herbeizurufen.
Das gelang raſcher, als man hoffte, der Bankier Schirmer war der Erſte, der erſchien, er öffnete die Thüre und fuhr erſchreckt zurück, als ſein Blick auf das verſtörte Geſicht des Schenkwirths fiel. Der Friſeur Gabel übernahm es, die Kunde von den Ereig⸗ niſſen in die feſtlich geſchmückten Räume zu bringen und die Hoch⸗ zeitsgäſte, einſehend, daß von einer Fortſetzung des Feſtes nun nicht mehr die Rede ſein konnte, entfernten ſich einer nach dem andern, ſtill und ohne Abſchied zu nehmen.
Auch für die jungen Ehepaare hatte die Stunde der Abreiſe
geſchlagen.
Otto bat ſeinen Schwiegervater und die beiden Freunde Wacker und Gabel, ſeinem Vater zur Seite zu ſtehen, ihn auf⸗ zurichten und zu tröſten, und nachdem er von ihnen das Ver⸗ ſprechen erhalten hatte, trat er die Hochzeitsreiſe mit ſchwerem Herzen und erſchüttertem Gemüth an.
Marie Latour proteſtirte, nachdem ihr Verbündeter ſich ge⸗ flüchtet hatte, energiſch gegen die Verhaftung.
Sie erinnerte ſich, daß die Beweiſe für die Schuld Heinrich's in der Schatulle lagen, mit der ihr Verbündeter entwichen war, welche Beweiſe konnte man nun noch gegen ſie vorbringen?
Sie berief ſich darauf, daß ſie eine Bürgerin Frankreichs ſei und der franzöſiſche Konſul ebenfalls gegen ihre Verhaftung pro⸗ teſtiren werde, aber dieſer Proteſt wurde nicht berückſichtigt.
Der Commiſſair gab den beiden, inzwiſchen eingetroffenen Beamten Befehl, die Dame in's Gefängniß zu führen, und wenn auch für ihre frühere Verbrechen keine Beweiſe gegen ſie vorlagen,
der falſche Schmuck, deſſen ſie ſich bedient hatte, um Bertram Schenk zu betrügen, rechtfertigte allein ihre Verhaftung.
Der Chevalier von Chateaurouge wollte die Flucht des Ver⸗ brechers verhindern, er eilte ihm nach zum Bahnhofe, aber als er den letztern erreichte, war der Zug bereits abgefahren.
Die Polizei ließ freilich den Telegraph ſpielen, aber dem Chevalier genügte dies nicht, das Band, welches Bertha noch an jenen Menſchen feſſelte, mußte zerriſſen werden, und das konnte nur durch den Tod, oder ein entehrendes Urtheil geſchehen.


