Jahrgang 
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— 875—

und nehmen Sie morgen früh eine Droſchke. Im Hof von Holland finden Sie die Kammerzofe der Schweſter des Chevalier von Chateaurouge,— vergeſſen Sie das nicht.“

Jeanette war überraſcht, wenn ſie auch längſt errathen hatte, daß Henri kein gewöhnlicher Kammerdiener war, für einen Edel⸗ mann würde ſie ihn doch nicht gehalten haben.

Der Chevalier erhob ſich und ſah auf die Uhr.

„Es iſt Zeit,“ ſagte er,„der Wagen wird gleich hier ſein.“

In der That fuhr nach wenigen Minuten der Wagen vor.

Die Beiden ließen das Gepäck hinunterbringen und ſtiegen ein.

Als ſie auf dem Bahnhofe angelangt waren, ging Jeanette in den Warteſaal, der Chevalier verſügte ſich auf den Perron.

Die Eiſenbahnbeamten, welche ſich ſeines Gepäcks annehmen wollten, wies er zurück mit dem Bemerken, daß er noch unent⸗ ſchloſſen ſei, ob er den Zug benutzen werde.

Jeanette erſtaunte, als er bald darauf durch den Warteſaal ſchritt. Das war nicht mehr der höfliche, dienſteifrige Kammer⸗ diener, es war in Gang und Haltung der Edelmann, der mit vornehmer Geringſchätzung auf die bürgerliche Umgebung hinunter⸗ blickte.

Der Zug kam an. Jeanette trat hinaus, um einen Wagen zu engagiren.

Gleich darauf erſchien auch der Chevalier; ein Beamter trug ſein Gepäck.

Er ſtieg in den Wagen, nachdem er Jeanette, die in der Dunkelheit für eine Dame aus den höheren Ständen gehalten werden konnte, hineingehoben hatte.

„Zum Hof von Holland,“ ſagte er.

Der Kutſcher ſtieg auf den Bock, der Wagen fuhr ab.

Als derſelbe eine kurze Strecke gefahren war, ließ der Chevalier halten.

„Guter Freund,“ ſagte er, als der Kutſcher vor der Wagen⸗ thüre ſtand,„meine Schweſter hat einen ſonderbaren Wunſch, der Ihnen, wenn Sie ihn erfüllen wollen, ein gutes Trinkgeld ein⸗ bringen wird. Sie will den Friedhof beſuchen.“

„Jetzt?“ fragte der Kutſcher erſtaunt.

„Ja. Wir wollen morgen in aller Frühe wieder abreiſen.“

„Hm— ich will Sie hinfahren, aber—,

„Sie glauben, der Friedhof wird verſchloſſen ſein? Wenn er es iſt, wecke ich den Todtengräber.“

Der Kutſcher ſchüttelte den Kopf, er begriff offenbar dieſen ſonderbaren Wunſch nicht.

„Es iſt dort ein Grab, welches meine Schweſter gerne be⸗ ſuchen möchte,“ fügte der Chevalier hinzu, während er dem Kutſcher