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Dann erbrach er das Siegel des erſten Briefes.
Otto hatte ihn geſchrieben. Er theilte dem Vater mit, daß er ſich mit einem vermögenden Solinger Waffenſchmied aſſocirt habe und im Begriff ſtehe, eine Fabrik bei Hagen anzukaufen, die ihm angeboten worden ſei.
Zu dem Zwecke werde er mit ſeinem Aſſocie nach Hagen reiſen, um das Etabliſſement zu beſichtigen, entſpreche es ſeinen Anforderungen, ſo wolle er den Kauf abſchließen und ſofort mit der Arbeit beginnen. Einige tüchtige Arbeiter ſeien ſchon enga⸗ girt, auch ein Reiſender gewonnen, und ſo hoffe er, mit Ver⸗ trauen in die Zukunft blicken zu können. Nikolas hatte ein Briefchen eingelegt für Helene, auch er fühlte ſich wohl in ſeinem neuen Wirkungskreiſe bei dem Waffenſchmied, auch ihn ermuthigte die Hoffnung, nun bald in dem neuen Etabliſſement einen Poſten zu erhalten, der ihm erlaubte, die Braut heimzuführen.
Bertram Schenk lächelte ſtill vergnügt für ſich hin.
Ihm gefiel die Art Otto's, ſich empor zu ſchwingen, beſſer, als die Heinrichs.
Wenn er ernſtlich über die beiden Söhne, ihre Stellung und ihre Verhältniſſe nachdachte, ſo graute ihm oft vor dem Reich⸗ thume Heinrich's, der ſo raſch, ſo plötzlich erworben worden war.
Dann tauchten manchmal düſtre Ahnungen in ſeiner Seele auf und es wollte ihm nicht gelingen, ſie ganz zu verdrängen.
Er hatte ja auch manchmal die Gerüchte vernommen, die darüber auftauchten; wenn er ſie auch als gehäſſige Verleumdungen betrachtete, es kamen doch Stunden, in denen er ſich ernſtlich mit der Frage beſchäftigte, ob es denn unmöglich ſei, daß dieſe Ge⸗ rüchte ſich auf Thatſachen ſtützen könnten.
Seine Frau hatte geringſchätzend die Achſeln gezuckt, wenn er mit ihr darüber ſprach, in ihren Augen war ihr Liebling unfehlbar.
Bertram Schenk öffnete den zweiten Brief.
Es war die Antwort des Konſuls in Rio de Janeiro auf ſeine Anfrage, bezüglich der Erbſchaft.
Der Konſul äußerte ſich in hohem Grade überraſcht darüber, daß Bertram Schenk das Geld nicht empfangen haben wolle, da er doch damals einen Bevollmächtigten zum Empfang desſelben ihm zugeſchickt und ſpäter ihn beauftragt habe, den ganzen Betrag in guten Wechſeln an Jakob Herz einzuſenden.
Die Ueberraſchung des Konſuls war nichts im Vergleich zu der des Schenkwirths, der, nachdem er den Brief zum drittenmale geleſen hatte, noch immer nicht wußte, was er von der Sache halten ſollte.
Es war ihm allerdings jetzt klar, daß man ihn um die Erb⸗ ſchaft betrogen hatte, aber wer hatte dieſen Betrug verübt und


