Jahrgang 
2
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Anſtalt wird ſteckbrieflich verfolgt. Nun ſchreibt mein College ferner, der Aſſocie Eures Vetters habe mit dem Mörder unter einer Decke gelegen, wenigſtens vermuthe man es, wenn man auch nicht wage, es auszuſprechen. Iſt dieſe Vermuthung wahr und können wir Beweiſe für ſie ſchaffen, ſo iſt das Teſtament nichtig. 1

Dazu wäre eine feine Spürnaſe nöthig, ſagte Scherenberg, ich gebe für derartige Hoffnungen und Ausſichten keinen rothen Heller.

Jetzt riß dem Advokaten die Geduld.

Mann, Ihr ſeid es mir ſchuldig, daß Ihr die Sache verfolgt, erwiderte er zornig,ganz abgeſehen davon, daß Eure Pflicht Euch gebietet, den Mord Eures Verwandten zu rächen! Wenn Ihr keinen Werth auf das Geld legt, wenn Ihr lieber in dem Schlamm bleibt, in dem Ihr ſteckt, meinetwegen, gebt das Geld den Armen. Ihr könnt wenigſtens ein gutes Werk verrichten, nach dem Ihr ſo lange die Menſchheit geärgert habt. Aber Ihr ſeid es mir ſchuldig

Ich habe Sie nicht gebeten, ſich der faulen Sache anzuneh⸗ mln, warf der lange Chriſtian trotzig ein,wenn Sie Ihr Geld dafür zum Fenſter hinaus werfen wollten, konnte es mir gleich⸗ gültig ſein. Verfolgen Sie ſelbſt die Sache, ich habe die Naſe nicht, geheimnißvolle Verbrechen aufzuſpüren.

Das iſt ja auch ganz unnöthig, Andre werden es beſorgen, rief der Advokat, aber Scherenberg hörte ihn nicht mehr, er war hinausgegangen.

Ohne irgend eine beſtimmte Abſicht wanderte der lange Chri⸗ ſtian die Straße hinunter.

Er konnte nicht leugnen, die Worte des Advokaten hatten doch ihn ſo ganz gleichgültig nicht gelaſſen, wie er ſich den Anſchein geben wollte.

Hundertfünfzigtauſend Thaler bildeten ein Vermögen, welches ihm geſtattete, ſein Alter in ſorgloſer Ruhe zu verleben und auf die bisherigen Almoſen ſeiner Bekannten zu verzichten.

Dann auch galt es, ein entſetzliches Verbrechen zu enthüllen, und Chriſtian Scherenberg war von jeher ein entſchiedener Feind jedes Verbrechens geweſen. Aber dieſe Aufgabe zu löſen, mußte man Geld und Energie haben und beides beſaß der lange Chri⸗ ſtian nicht.

Da war es denn beſſer, wenn der Advokat ſich an der harten Nuß die Zähne ausbiß, Scherenberg fühlte nicht die mindeſte Luſt dazu.

Aus ſeinem Sinnen und Grübeln weckte ihn eine ſonore Baß⸗ ſtimme.