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Sah ſie denn nicht in ſeinem Blick, in ſeiner Miene die un⸗ lautere Leidenſchaft, die ihn beſeelte? Fand ſie denn nicht in dem Lächeln, welches ſeine Lippen umſpielte, den Zug der Wolluſt, welche allein die Triebfeder dieſer Freigebigkeit war?
Etwas davon mußte ſie wohl bemerken, denn eine düſtere Wolke breitete ſich über ihr ſchönes Antlitz.
Gedankenvoll nahm ſie ohne eine beſtimmte Abſicht das Arm⸗ band aus dem Etui, um es zu betrachten.
„Das darf ich nicht annehmen,“ ſagte ſie,„ich habe nichts gethan, um ein ſolches Geſchenk zu verdienen.“
Heinrich hatte ſeinen Stuhl zur Seite gerückt, er ſaß jetzt neben dem Mädchen, ſein heißer Athem ſtreifte ihre Wange.
„Betrachten Sie es als eine Abſchlagszahlung auf die Ge⸗ ſchenke, die ich Ihnen ſpäter machen werde,“ flüſterte er.
„Was würden meine Eltern dazu ſagen?“
„Müſſen ſie es denn erfahren?“
„Ich habe vor ihnen keine Geheimniſſe.“
Heinrich ſah das Mädchen zögern, ſchwanken, er glaubte, das Spiel ſchon gewonnen zu haben.
Er ſchlang ſeinen Arm um ihre Taille und verſuchte, ſie an ſich zu drücken.
Jetzt ward dem Mädchen Alles klar. Wie Schuppen fiel es ihr von den Augen, ſie durchſchaute die Abſicht des reichen Wüſtlings und ihre Achtung vor ihm verwandelte ſich in Abſcheu und Entſetzen.
Haſtig erhob ſie ſich, das Armband rollte hinunter und fiel klirrend auf den Fußboden.
„Mein Herr, jetzt weiß ich, was ich von Ihrem Anerbieten zu halten habe,“ ſagte ſie mit bebender Stimme, während ihr zornglühender Blick den jungen Mann durchbohren zu wollen ſchien,„das alſo war Ihre Abſicht? Dafür ſollte ich das be⸗ deutende Gehalt und die Geſchenke empfangen? Ah— Sie haben geglaubt, mit dem armen Mädchen leichtes Spiel zu haben, Sie dachten, dem Glanze Ihres Goldes könne meine Armuth nicht widerſtehen. Sie haben ſich geirrt, meine Ehre iſt mir lieber, als Ihre Schätze!“
„Aber ich bitte Sie,“ unterbrach Heinrich ſie, beſtürzt über dieſes leidenſchaftliche Aufwallen.„Sie werden doch eines Scherzes wegen—“
„Ich weiß, was man von ſolchen Scherzen zu halten hat!“ fuhr Roſa mit ſteigender Entrüſtung fort.„Wenn ich auch in dieſer Beziehung, Gottlob, noch keine Erfahrungen gemacht habe, ſo viel weiß ich doch—
„Was geht hier vor?“ fragte in dieſem Augenblick eine tiefe männliche Stimme.


