Sechsunddreißigſtes Kapitel.
Geheime Inſtructionen.
Jakob Herz hatte heute ſeinem Schreiber erlaubt, den Nach⸗ mittag zu einem Ausfluge zu benutzen, er war ſogar ſo freigebig geweſen, ihm einen Thaler hinzuwerfen mit dem Bemerken, er möge ſich einmal einen recht vergnügten Nachmittag verſchaffen.
Bernhard Schenk hatte von dieſer Erlaubniß Gebrauch ge⸗ macht, es kam ſo ſelten vor, daß er ſich ein Vergnügen bereiten durfte, weshalb ſollte er heute die Gelegenheit, nach der er ſo oft ſich ſehnte, zurückweiſen?
Was ſein Prinzipal vorhatte, wußte er nicht, aber daß ein wichtiges Geſchäft, welches dem Schreiber geheim bleiben ſollte, ihn zu jener Freigebigkeit bewog, unterlag für ihn keinem Zweifel.
Er haßte dieſen Mann, ſeitdem er ſo ſchnöde um den ver⸗ ſprochenen Lohn in der Erbſchaftsangelegenheit betrogen worden war, aber er konnte einſtweilen dieſen Haß noch nicht befriedigen, weil zu ſtarke Bande ihn an den Wucherer feſſelten.
Das Geld aus Rio de Janeiro war in guten Wechſeln an⸗ gekommen, die Ouittung darüber ſchon an den Conſul zurückge⸗ gegangen, aber bis heute hatte Jakob Herz noch keine Silbe über die Belohnung ſeines Schreibers fallen laſſen.
Bernhard Schenk war wüthend darüber, aber er konnte ihn nicht zwingen, ſein damaliges Verſprechen, wenn auch theilweiſe nur, zu erfüllen.
Er konnte eben ſo wenig ihm den Raub entreißen, denn er ſelbſt war ja der Mitſchuldige, das Urtheil, welches über den Wucherer geſprochen wurde, traf auch ihn.
Selbſt, wenn er dem rechtmäßigen Erben unter dem Siegel der Verſchwiegenheit den Betrug berichtete, die gerichtlichen Ver⸗ handlungen mußten ſeine Theilnahme an's Licht bringen und ſeine Verhaftung zur Folge haben.
Das Alles wußte Jakob Herz ſehr wohl, und deshalb auch fiel es ihm nicht ein, die Verſchwiegenheit ſeines Schreibers zu erkaufen, der zufrieden ſein mußte, wenn der Wucherer ihm die Mittel zur Beſtreitung der nothwendigſten Bedürfniſſe gab.
Während nun Bernhard Schenk an dem heiteren, ſonnigen Nachmittage über den Rhein wanderte, um in Mülheim den


