— 148—
Alles Getreide in dem umliegenden Thal, obgleich noch unreif, ward eiligſt abgemäht und in die Stadt gebracht, um zu verhindern, daß der Feind daraus Unterhalt zöge. Das Land ward all ſeiner Habe beraubt. Vieh⸗ und Schafheerden wurden weggetrieben, und zogen blökend und brüllend in die Stadtthore ein. Lange Züge von Laſtthieren, einige mit Nahrungsmitteln, andere mit Lau⸗ zen, Speeren und Waffen aller Art beladen, flutheten in die Stadt. Schon waren Vorräthe genug für eine Belagerung von fünfzehn Monden geſammelt, aber den⸗ noch fuhr man immer eifriger und haſtiger mit den Vor⸗ kehrungen fort, als man endlich Ferdinands Heer anſich⸗ tig wurde..
Auf der einen Seite konnte man zerſtreute Haufen von Reitern und Fußgängern ſehen, wie ſie eiligſt auf die Thore zuſprengten, wie Maulthiertreiber ängſtlich ihre beladenen Thiere vorwärts drängten, wie alle beſorgt wa⸗ ren, vor dem ſich ſammelnden Unwetter in Sicherheit zu kommen. Auf der andern Seite kamen die Kriegsſtürme in das Thal herabgezogen; das Rollen der Trommeln, die Töne der Trompeten ſchallten gelegentlich aus ihrem tiefen Schoos herauf, oder das glänzende Strahlen der Waffen brach aus ihren Maſſen gleich dem hellleuchten⸗ den Blitze.
König Ferdinand ſchlug ſeine Zelte in dem Thal an dem grünen Labyrinth der Gärten auf. Er ſchickte ſeine Herolde ab, die Stadt zur Uebergabe aufzubieten, und verſprach die günſtigſten Bedingungen für den Fall eines


