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Als ſie ſich der Freiheit wiedergegeben und von ihren Landsleuten umringt ſahen, ſtarrten einige wild um ſich, wie in einem Traum, andre überließen ſich raſenden Freudenanfällen, aber die meiſten von ihnen weinten vor Luſt. Alle gegenwärtige wurden durch ein ſo trauriges Schauſpiel zu Thränen gerührt.
Als der Zug bei dem ſogenannten Thor von Granada anlangte, kam ihm ein großer Haufe aus dem Lager mit Kreuzen und Fahnen entgegen, der ſich alsdann um⸗ wandte, und den Gefangenen folgte, Hymnen des Prei⸗ ſes und Dankes ſingend. Bei ihrem Erſcheinen vor dem König und der Königin warfen ſie ſich auf die Knie, und würden die Füße der Herrſcher, als ihrer Retter und Be⸗ freier, geküßt haben, aber die Könige verhinderten eine ſolche Demüthigung und reichten ihnen gnädigſt ihre Hände. Alsdann fielen ſie vor dem Altar hin, und alle Gegenwärtige vereinigten ſich mit ihnen in ihrem Dank⸗ gebet gegen Gott, der ſie aus dieſer traurigen Einker⸗ kerung erlößt hatte.
Auf Befehl des Königs und der Königin wurden ih⸗ nen die Ketten abgenommen, geziemende Kleidung ihnen gegeben, und Speiſe vorgeſetzt. Nachdem ſie gegeſſen und getrunken, und ſich erfriſcht und geſtärkt hatten, verſah man ſie mit Geld und allem zur Reiſe nöthigen, und ſandte ſie getröſtet und voll Freude nach Hanſe.
Wenn die alten Chronikſchreiber mit gebührendem Frohlocken bei dieſem reinen, rührenden Triumph der Menſchheit verweilen, gehen ſie mit gleich preiſendem Lobe


