Münchhauſens Biographie. 147
Man wird ſich wundern, bloß von meiner Fuͤrſorge fur die Wiſſenſchaften Beweiſe gefunden zu haben, und vielleicht gar auf den Wahn fallen, ich hätte die Kuͤnſte vergeſſen. Aber da wuͤrde man ſich gewaltig irren. Auch fur dieſe ſorgte ich väterlich und pflegte ſie treufleißig. Ich ließ mir bei meinen Lebzeiten eine Statue errichten mit der beſcheidenen Inſchrift: Dem großen Muͤnchhauſen, dem Vater des Vaterlandes, die dankbaren Schildaer Buͤrger. Ich ließ mein Bild in die Kirche hängen und mit Trophaͤen umgeben, ob ich gleich in meinem Leben keinen Feind mit Augen geſehen hatte. Einige Antiken von ziemlichem Werth, welche ſich nach Schilda verirrt hatten, wurden auf meine Veranſtaltung ſauber vergoldet; ein Altarblatt von Van Dyck ließ ich mit grellen Engelsköpfen vermehren und ein Meiſter⸗ ſtuͤck der Bildhauerkunſt in einem Sack an der Decke der Kirche aufhaͤngen, damit es durch den Staub keinen Schaden leiden mochte.
Junge geſchickte Kuͤnſtler ſuchte ich auf alle Art zu ermuntern. Alle Jahre einmal hatten ſie Erlaubniß ſich nach meinen Antiken eine Viertelſtunde lang im Zeichnen zu uͤben. Demnach lebte man zu Schilda der gewiſſen Hoffnung, die Zöglnge würden bald Graff, Loſanava und
Heckert weit ubertreffen ⸗ 10*


